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SenioRitaWer war Lotte Eifert?

14.05.2020 - von Klaus Will

In der letzten Ausgabe der SenioRita in der Dezember-bbz 2019 hatte ich einen Artikel über Lotte Eifert veröffentlicht, der auf einige Resonanz gestoßen ist. Die vier folgenden Zuschriften stammen von Leserinnen, die Lotte Eifert noch persönlich als Lehrerin erlebt haben. Ich bedanke mich ganz herzlich bei den Schreiberinnen für Ihre Zuschriften. Das Thema »Wer war Lotte Eifert« wird von mir weiter verfolgt. Über die Bemühungen von Brigitte Schmiemann, eine Gedenktafel und einen Stolperstein zu initiieren, werden wir berichten.  

Klaus Will   

Vielen Dank für den Artikel »Wer war Lotte Eifert?«. Ich habe 1969 das Abitur am Ranke-Gymnasium in Berlin-Wedding gemacht und daher über viele Jahre Lotte Eifert als Schulleiterin und in der Oberstufe auch als Mathematiklehrerin erlebt. Sie war eine beeindruckende Persönlichkeit, die aus einem traditionellen Gymnasium eine fortschrittliche Schule gemacht hat. Die Unterrichtsformen, die damals dort praktiziert wurden, würden selbst heute noch als fortschrittlich gelten. Wir diskutierten miteinander und mit den Lehrkräften, Unterricht war nicht nur Frontalunterricht. Lotte Eifert unterstützte natürlich auch die Schülervertretung bei ihrer Arbeit.

Toll war sie auch als Mathematiklehrerin. Sie übernahm uns im 11. Schuljahr als eine Gruppe von Schüler*innen, die wenig mit diesem Fach anfangen konnte. Bei mir bewirkte sie, dass ich Mathematik lieben lernte und es später selbst studierte. Auch meine Entscheidung, Lehrerin zu werden, wurde durch die positiven Erfahrungen mit Lotte Eifert und dem Ranke-Gymnasium beeinflusst. Ich war die erste in meiner Familie, die Abitur machte, und das verdanke ich – wie viele andere auch – vor allem dem Engagement von Lotte Eifert, die sicherlich nicht zufällig Schulleiterin im armen Berliner Bezirk Wedding wurde.    
Monika Buttgereit


Ich habe 1960 das Abi an der Friedrich-Ebert-Schule gemacht. Die Klasse war 1953 von Lotte Eifert als Klassenlehrerin übernommen worden. In meinem Besitz befindet sich eine schlechte Kopie des damaligen Klassenfotos. Vielleicht treibe ich noch ein besseres auf, denn Reste der damaligen Klasse treffen sich immer noch regelmäßig. Ich bin erst 1957 in diese Klasse gekommen und habe ein Jahr Mathe bei Frau Eifert gehabt und sie war Begleitung bei unserer Klassenfahrt nach Zell am See und davon gibt es ein Foto beim Abendbrot, ich sitze neben ihr.    
Ingrid Münzberg 


Ich habe Ihren Artikel über Lotte Eifert, der mir gerade von einem alten Schulfreund zugekommen ist, mit großem Interesse gelesen. Ich lebe in Amerika, war aber eine Schülerin der Ranke-Schule, wohl zu der Zeit, da sie als Rote Ranke bekannt war, obwohl mir dieser Name nie zu Ohren gekommen ist. Ich hatte keine Ahnung, dass Frau Eifert Jüdin war und untertauchen musste – man hat zu dieser Zeit eben wohl allgemein nicht viel über diese Zeit gehört. Ich war Mitglied des sogenannten Schulkollektivs und wir haben mehr oder weniger gegen alles protestiert, unterstützt von einigen sehr progressiven jungen Lehrer*innen, die Frau Eifert wohl angezogen hat. In der sogenannten Freien Prima (12. und 13. Klasse nach Kurssystem ausserhalb des traditionellen Klassenverbandes), die es wohl nur dort gab zu der Zeit. Zum ersten Mal gab es im Gemeinschaftskundeunterricht auch das Thema Faschismus.

Ich könnte noch so einiges erzählen, und viele meiner damaligen Mitschüler*innen könnten das auch. Mein Freund, der mir den Artikel geschickt hat, war verpflanzt aus der »Ostzone«, wo er dank der politischen Einstellung seines Vaters keine Chance zum Studium hatte. Ich selbst kam mit einer Freundin aus Westdeutschland, wir wollten einfach unbedingt nach Berlin (10. Klasse) und keine Schule wollte uns nehmen, da wir ohne Eltern kamen. Frau Eifert sagte gleich zu uns »Unabhängigkeit hat noch keinem geschadet« und nahm uns auf. Vielen Dank, dass sie diese Geschichte um Frau Eifert ausgegraben und aufgeschrieben haben!
Barbara Ockel


Mit großem Interesse las ich den Artikel von Klaus Will über Lotte Eifert. Ich bin ehemalige Schülerin der Ranke-Oberschule, hatte bei Frau Eifert Mathe und hörte erst vor einem Jahr, welch schweres Schicksal sie im Nationalsozialismus hatte. Deshalb habe ich beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten am Fehrbelliner Platz und im Landesarchiv Berlin am Eichborndamm in Reinickendorf die Entschädigungsakten eingesehen. Ich denke, man sollte dafür sorgen, dass Frau Eifert am früheren Ranke-Schulgebäude an der Lütticher Straße in Wedding (heute ist dort die Ernst-Schering-Schule, habe die Schulleiterin Dr. Friederike Beyer kontaktiert, die das Anliegen unterstützen würde) eine Erinnerungstafel erhält und für die Familie Stolpersteine verlegt werden. Auch ein Album für sie und ihre Eltern in der Ausstellung »Wir waren Nachbarn« im Rathaus Schöneberg möchte ich gerne initiieren. Da ich momentan an einem Buch über Tempelhof-Schöneberg sitze und deshalb wenig Zeit habe, wird das aber noch etwas dauern. Ich bin 64 Jahre alt und war 34 Jahre Journalistin der Berliner Morgenpost. Auf Frau Eiferts Schicksal war ich in diesem Zusammenhang auch über das Buch »Widerstand 1933 – 1945« (Berlin 2002, Band 13, Widerstand in Schöneberg und Tempelhof, Heinrich-Wilhelm Wörmann) gestoßen. Das Schicksal der Pädagogin Lotte Eifert verdeutlicht dort (Seite 288/ 289) exemplarisch, wie viele Verstecke Verfolgte während des Nationalsozialismus oft aufsuchen mussten. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand hat diese Reihe herausgegeben. Das Buch kann kostenfrei von der Homepage der Gedenkstätte heruntergeladen werden: www.gdw-berlin.de/fileadmin/bilder/publikationen/Widerstand_in_Berlin/Widerstand%20in%20Schöneberg_Tempelhof_2002.pdf    
Brigitte Schmiemann

 

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