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Studieren in BerlinWie das studierendenWERK BERLIN seinen Mitgliedern helfen kann

Was unternimmt das studierendenWERK Berlin gegen die Wohnungsnot von Studierenden? Diese und andere Fragen haben wir Pressesprecherin Jana Judisch gestellt.

05.10.2018 - Interview: Folker Schmidt

Für welche Bereiche ist das studierendenWERK BERLIN eigentlich zuständig?

Judisch:Ich beschreibe uns als »sieben Firmen unter einem Dach«, da wir eine breite Sparte an Angeboten bedienen. Wir haben die Wohnheime, wir haben die Mensen und Cafeterien und das BAföG-Amt. Darüber hinaus bieten wir auch eine umfängliche Beratung zur Studienfinanzierung, zum Studieren mit Kind, zum Wohngeld und allen Fragen rund ums Studium. Bei uns kann man auch den KFW-Studienkredit abwickeln. Dazu haben wir eine Job-Vermittlung, die Studierende in Nebenjobs bringen kann. Wir haben eine Beratungsstelle, die sich um die Belange von Studierenden mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen kümmert. Es gibt ja ein Gesetz zur Vergabe von Integrationshilfen – das übernimmt auch das studierendenWERK. Das heißt, wenn zum Beispiel Studierende, die taub sind, Gebärden-Dolmetscher*innen brauchen, dann wird das über uns organisiert. Im Falle von Krisensituationen oder psychischen Problemen haben wir auch eine psychologisch-psychotherapeutische Beratung. Dann haben wir noch einen umfänglichen Kulturbereich, der sich um die kreativen Bedürfnisse der Studierenden kümmert. Da wäre eine organisierte Theatergruppe, ein Chor, die Möglichkeit, diverse Ausstellungen zu besuchen. Sowas organisieren wir auch. Nicht zuletzt haben wir sieben Kindertagesstätten mit insgesamt 600 Kindern. Nicht an allen Campi gibt es allerdings Kitas.

Das Berliner studierendenWERK ist für 21 Hochschulen zuständig, die 12 staatlichen, die 2 kirchlichen und darüber hinaus noch für 7 private Universitäten. Das Gesetz gestattet uns auch mit privaten Universitäten Kooperationen einzugehen.

Welches Gesetz ist das?

Judisch:Das Berliner Studierendenwerksgesetz! Wir haben als Anstalt öffentlichen Rechts den Auftrag, uns um Studierende zu kümmern.

Mich interessiert vor allem das Wohnen. Über wie viele Wohneinheiten verfügt denn das studierendenWERK?

Judisch:Wir haben insgesamt 33 Wohnheime. Ein Wohnheim ist nicht zwingend nur ein Wohnhaus sondern auch mal eine Anlage mit mehreren Häusern. Insgesamt bieten wir 9.427 Wohnheimplätze, Tendenz steigend. Wir bauen gerade.

Sind die alle für Studierende gedacht oder vermieten sie auch an Lehrkörper?

Judisch: Alle sind ausschließlich für Studierende gedacht. Man muss an einer kooperierenden Universität eingeschrieben sein, um einen Wohnheimplatz bekommen. Nur die Personen, die unter das Studierendenwerksgesetz fallen, dürfen sich um einen Wohnheimplatz bei uns bewerben.

Handelt es sich bei diesen 9.427 Wohnheimplätzen um Einzelwohnungen?

Judisch:Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt 156 Plätze für das sogenannte Wohnen mit Partner*in. Da sind die Wohnungen für zwei Personen, so geschnitten, dass sie nicht WG-tauglich sind. Beide Partner*innen müssen allerdings eingeschriebene Studierende einer kooperierenden Hochschule in Berlin sein. Wir haben weitere 437 Plätze als sogenannte Wohnungen für mehrere Personen. Da gibt es dann Zwei- oder Dreiraumwohnungen, wo zwei bis drei Personen wohnen. Anders als zum Beispiel die Wohneinheiten, wo es klassischerweise einen Gang pro Etage mit zehn Einzelzimmern, gemeinsamer Küche und gemeinsamen Badezimmern gibt. Es gibt auch Einzelzimmer mit separatem Bad, wo man sich nur die Küche teilt. Oder auch Einzelzimmer mit -eigenem Bad und einer kleinen Kochzeile. Es ist also hochkomplex und neben Einzelzimmer gibt es eben diese Wohnformen für Paare und auch für Studierende mit Kindern. Die Kinder müssen dann natürlich nicht immatrikuliert sein, aber beide Eltern.

Was schätzen Sie, wie hoch der Anteil der von Ihnen verwalteten Wohnungen am Gesamtbedarf der Berliner Studierenden ist?

Judisch:In unsere Zuständigkeit fallen etwa 167.000 Studierende. Mit der genannten Platzzahl liegt die Versorgungszahl derzeit bei etwa 5,6 Prozent. Allerdings wollen ja nicht alle zu uns. Betrachten wir die Bewerber*innen, die aktuell auf der Liste stehen, das sind rund 4.000, dann haben wir eine verlässlichere Größenordnung.

Können Sie etwas zum Mietpreisspiegel sagen? Was ist zum Beispiel die günstigste Wohneinheit bei Ihnen und was die komfortabelste oder teuerste?

Judisch: Die Preise hängen immer davon ab, wie die Ausstattung ist. Das günstigste Zimmer liegt aktuell bei 160 Euro. Das wäre ein Einzelzimmer auf einem Gang mit geteilter Küche und Bad. Die teuerste Wohneinheit kostet aktuell 405 Euro. Das ist ein Appartement mit eigener Küche und eigenem Bad mit einem traumhaften Ausblick über den Tiergarten. Das sind so Filetstücke, da gibt es aktuell Wartezeiten von über drei Semestern. Wir haben zwar auch Wohnungen, die 450 Euro kosten, das sind aber Wohnungen, in denen mehrere Personen als WG zusammenwohnen.

Darf man sich dann schon vor dem Studium bewerben, damit man rechtzeitig zu Studienbeginn einen Wohnheimplatz hat?

Judisch:Leider nein. Man muss schon eingeschrieben sein, um sich auf eine Warteliste setzen lassen zu können. Es gibt Fälle, wo Leute an verschiedenen Unis in verschiedenen Städten zugelassen wurden und sich dann erstmal überall für einen Wohnheimplatz anmelden. Das geht bei uns nicht. Bei uns müssen diese Studierenden nachweisen, dass sie schon die Immatrikulationsgebühr gezahlt haben, also nur noch auf die Immatrikulationsbescheinigung warten, die ja manchmal sehr kurzfristig zum Vorlesungsbeginn erst ankommt. In solchen Fällen gestatten wir, dass die Immatrikulationsbescheinigung nachgereicht wird.

Was tun Sie gegen die akute Wohnungsnot für Studierenden in Berlin?

Judisch: Wir haben 2017 fast 13 Millionen Euro für Instandhaltung und Bauen ausgegeben.

Woraus finanziert sich dieses Geld? Aus den Mieteinnahmen?

Judisch:Die Gesamteinnahmen des studierendenWERKs teilen sich. Zum einen unterstehen wir rechtlich dem Land, beziehungsweise seit den letzten Wahlen dem regierenden Bürgermeister, dem das Ressort Wissenschaft zugeteilt wurde. Daher erhalten wir vom Land Berlin einen Zuschuss. Der ist fest gedeckelt und wird alle vier Jahre neu verhandelt. Aktuell beträgt er 11,5 Millionen Euro pro Jahr. Dann bekommen wir noch den sogenannten Sozialbeitrag. Das heißt, Studierende bezahlen mit ihren Semestergebühren aktuell etwa 54 Euro pro Semester ans studierendenWERK. Bei rund 167.000 Studierenden, die in unsere Zuständigkeit fallen, entsteht da eine recht hohe Summe, die etwas über der Summe liegt, die wir vom Land erhalten. Diese beiden Posten zusammen machen aber nur etwa 40 Prozent der Einnahmen des studierendenWERKs aus. Rund 52 Prozent erwirtschaften wir selbst. Im Bereich Wohnen zum Beispiel finanziert sich alles über die Mieteinnahmen. Nur das Bauen wird aus Rücklagen finanziert. Bis vor kurzem war es nicht möglich, dass das studierendenWERK zum Bauen einen Kredit aufnimmt. Inzwischen wäre es uns aber gestattet, bei der Investitionsbank Berlin einen Kredit aufzunehmen. Aktuell finanzieren wir unsere Bauprojekte aus unseren Rücklagen.

Welche neuen Objekte planen Sie denn?

Judisch:Es sind zwei konkrete Projekte in Bau. Das eine ist in der Mollwitzstraße in Charlottenburg. Da bauen wir ein Wohnheim mit 86 Plätzen. Im August wird der Grundstein gelegt. Und wir haben ein weiteres Bauvorhaben im Dauerwaldweg, auch in Charlottenburg, aber etwas weiter im Süden in Richtung der Freien Universität. Dort werden 50 neue Plätze entstehen. Wir planen 2019 mit beiden Projekten fertig zu werden. Für das kommende Semester wird noch nichts bezugsfertig sein, aber für das Sommersemester könnte das durchaus klappen.

Sie haben teilweise Wartezeiten von drei Semestern?

Judisch:Das stimmt. Was ich oft gefragt werde, ist: Was tut das studierendenWERK dagegen? Nun, wir versuchen zu bauen, wir versuchen hier und dort ein paar Plätze über Nachverdichtung dazu zu bekommen. Oder indem wir alte Hausmeister*innenwohnungen oder Gewerbe auflösen. Was wir aktuell zum 1. September planen, ist der Start eines Infocenters, das die Zusammenarbeit mit anderen Wohnanbieter*innen in der Stadt voranbringt. Wenn Studierende bei uns keinen Platz bekommen, wir sie beraten und gegebenenfalls an Dritte weitervermitteln können. Die Zahl der Studierenden an den Universitäten steigt nach wie vor in sehr hoher Rate. Es werden internationale Studierende nach Berlin gelockt und die fallen dann häufig aus allen Wolken, wenn sie ankommen und erkennen müssen, dass die Wohnsituation leider nicht so ist, dass wir ihnen sofort Wohnraum bieten könnten. Wo wir uns also deutlich besser aufstellen können und werden ist Beratung. Die privaten Investor*innen haben in den letzten Jahren sehr viele Wohnheimplätze geschaffen. Aber das ist ein sehr unübersichtlicher Markt. Hier kann das studierendenWERK beratend einspringen und sagen, »da gibt es den-und-den Anbieter«, »dort wird grad was frei« oder auch »tut euch zusammen gründet eine WG«, größere Wohnungen mit gemeinsamem Budget zu finden ist oftmals leichter. So können wir Studierende in den freien Markt hinein vermitteln. Das ist im Grunde auch unsere Aufgabe, wir sind ein Service für Studierende. Und so können wir den Studierenden in Berlin das Leben ein bisschen leichter machen.

Was ist die älteste Unterkunft des Studierendenwerks in Berlin? Ist das das Studentendorf in Schlachtensee?

Judisch:Als Institution gibt es uns als studierendenWERK BERLIN erst seit 1973. Vorher waren das selbst gegründete, studentische Initiativen, die sich um solche Fragen gekümmert haben. Das Wohn-heim in der Pfalzburger Straße hat zum Beispiel das Baujahr 1897, aber wann das zu einem Wohnheim geworden ist, das können wir gar nicht sagen, voraussichtlich nach dem Krieg. Das älteste als Wohnheim genutzte Haus ist das Wohnheim Biesdorf. Das ist Anfang der 50er Jahre gebaut und immer als Studierendenwohnheim genutzt worden. Wir haben aber auch viele Häuser und teilweise Villen umgebaut, die vorher Privathäuser waren.

Frau Judisch, ich fand unser Gespräch sehr informativ und angenehm, vielen Dank.