GEW - Berlin
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StandpunktWie feministisch ist die GEW?

Über 70 Prozent der GEW-Mitglieder sind weiblich. Nicht nur deswegen hat die GEW eine besondere Verantwortung, ihre Arbeitskämpfe feministisch zu führen.

 

06.03.2020 - von Anne Albers, Lehrerin und Mitglied der Bezirksleistung Neukölln

Berlin feiert in diesem Jahr zum zweiten Mal den 8. März mit einem Feiertag. Streiken am Feiertag geht nicht? Geht doch. Arbeit fällt auch an Sonn- und Feiertagen an. Wir Frauen bestreiken am 8. März symbolisch die unbezahlte Reproduktions- und Care-Arbeit, die überwiegend von uns geleistet wird und für die es kaum bis keinen Lohn, wenig Rentenpunkte, keinen Überstundenausgleich und schon gar keine Bonuszahlungen gibt. Weltweit leisten Frauen pro Jahr über 12 Milliarden Stunden unbezahlte Haus- und Sorgearbeit. Die Zeit für diese »gratis« vor allem von Frauen verrichteten Arbeiten muss endlich fair in unsere Erwerbsarbeit, Karriereverläufe und Rentenansprüche eingepreist werden. Und nicht zuletzt muss unsere Lohnarbeit genügend Zeit für uns selbst und unsere persönlichen Interessen lassen. Diese Forderungen in der gewerkschaftlichen Diskussion wieder stärker in den Fokus zu rücken, wäre feministisch und ist längst überfällig.

Die GEW hat eine besondere Verantwortung, den Arbeitskampf auch als feministischen Kampf zu führen. Über 70 Prozent der GEW-Mitglieder sind weiblich. In der GEW organisieren sich Berufe, in denen (noch) überwiegend Frauen erwerbstätig sind – allen voran der Sozial- und Erziehungsdienst. Wo brennt es aus feministischer Perspektive am meisten? Erzieher-*innen beantworten die Frage klar und deutlich: Bei der Entgeltgerechtigkeit. »Typische« Frauenberufsfelder wie der Sozial- und Erziehungsbereich und die Pflege müssen uns als Gesellschaft mehr Wert sein. Auch die Tarifverträge im öffentlichen Dienst sind nicht geschlechtergerecht und bewerten »traditionell« von Frauen ausgeübte Tätigkeiten nicht selten geringer.

Aber es gibt auch Erfolge zu verzeichnen: In Berlin haben wir gemeinsam die A13/E13 für immerhin die meisten Lehrkräfte an Grundschulen erkämpft, das ist auch aus feministischer Perspektive ein Meilenstein! In der letzten Tarifrunde wurde ein deutliches Gehaltsplus für den Sozial- und Erziehungsdienst erreicht, das unsere Arbeitgeberin hoffentlich bald an die Kolleg*innen weiterreicht.

Richten wir den Blick zu guter Letzt nach Innen: Wie geschlechtergerecht ist unsere GEW BERLIN organisiert? Unsere sieben Vorstandsbereiche sollen laut Satzung immerhin hälftig von Frauen geführt werden, wir bezuschussen die Kinderbetreuung bei jeder Veranstaltung, wir sprechen immer öfter gendersensibel. Die GEW macht schon vieles richtig. Aber unsere Frauenquote ist leider keine harte Quote, bei der ein Sitz auch mal leer bleibt, »wenn sich eben keine Frau findet«. Beruf, Familie und Ehrenamt sind auch bei uns kaum vereinbar. Ich wünsche mir eine empowernde Struktur, wie beispielsweise ein Frauen-Mentoring.

Und wenn dieser Tage die Wahlen für Gremien und Personalratslisten laufen, würde ich die Wette eingehen, dass sich noch immer weniger als 70 Prozent Frauen auf den Listen finden. Es gibt viel zu tun! Wir sehen uns am 8. März auf der Straße!      

*Die Autorin versteht Feminismus als intersektional, antirassistisch und kapitalismuskritisch. Frau ist, wer sich so einordnet. Die Bezeichnung »Frau« im Artikel verweist auf die binäre Definition von Geschlecht in der Datenbasis oder der Literatur

 

 

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