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blz 05 / 2014Wir vergessen nicht

Ein Projekt soll die Verfolgung von Lehrkräften im Nationalsozialismus erforschen

01.05.2014 - Christiane Thöne, AG Verfolgte Lehrkräfte

Wie ist das vor sich gegangen? Ist die Mitteilung schriftlich gekommen? Oder wurde die sofortige Entlassung mündlich mitgeteilt? Wie hat das Kollegium reagiert? Wir wissen es nicht und werden es auch wohl nur zu Teilen erfahren. Von vielen dieser KollegInnen, die während des Nationalsozialismus aus rassistischen oder politischen Gründen Berufsverbot erhielten, kennen wir noch nicht einmal die Namen.

Und auch nicht ihren weiteren Lebensweg. Das wollen wir jetzt ändern mit unserem Projekt, auch wenn wir wissen, dass wir spät dran sind, sehr spät. Die GEW BERLIN trug sich schon sehr lange mit dem Gedanken, das Schicksal ihrer verfolgten KollegInnen aufzuarbeiten. Es gab mehrere Anläufe, um es umzusetzen. Aber letztlich scheiterte es immer wieder an den Finanzen, die Suche nach finanzieller Unterstützung und nach Partnern für das Forschungsprojekt blieben immer ohne Erfolg.

Seit etwa einem Jahr gibt es nun eine Arbeitsgemeinschaft, die den festen Willen hat, das Projekt endlich zu starten. Denn wie gesagt, es ist spät, sehr spät: Zeitzeugen gibt es bald nicht mehr und auch andere Zeugnisse der Verfolgung werden immer schwieriger auffindbar.

Über eine Ausschreibung wurde eine für diese Forschung ausgewiesene Fachfrau gewonnen, Dr. Ladwig-Winters. Zur Finanzierung des Forschungsauftrags hat die GEW 60.000 Euro bereitgestellt. Die in Auftrag gegebene Studie ist bisher einmalig in Deutschland. Denn zum einen geht es um die »Gleichschaltung« der Berliner Lehrerverbände und deren Rolle bei der Diskriminierung und Verfolgung der Berliner Lehrkräfte im Nationalsozialismus. Gleichzeitig aber geht es um die gezielte Ausgrenzung Einzelner, deren Lebenswege nachgezeichnet werden sollen. Es sollen so viele Namen wie möglich ermittelt werden. Sie dürfen nicht vergessen werden!

Und alles soll dann in eine Veröffentlichung münden.

Wobei unterschiedliche Formen möglich sind: als gedrucktes Buch, als virtuelles Gedenkbuch oder auch als Wanderausstellung verbunden mit Workshops an den Schulen. Die Finanzierung ist nach wie vor knapp. Viele Stiftungen sind angeschrieben worden, aber es gab kaum Resonanz. Es ist zu begrüßen, dass sich die Senatsschulverwaltung zunächst mit 10.000 Euro für das Jahr 2013 beteiligt. Das reicht zwar nicht, aber damit ist immerhin ein Anfang gemacht.


Kontakt: ns-verfolgte@gew-berlin.de

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