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Schulsozialarbeit macht starkEin wertvoller Baustein in der Bildungslandschaft

Die Kolleg*innen der Wedding-Grundschule arbeiten mit dem Konzept der »Neuen Autorität«, welches professionelle Präsenz und deeskalative Beziehungsarbeit in den Vordergrund stellt.

07.12.2020 - vom Team der Schulsozialarbeit an der Wedding-Grundschule

Schulsozialarbeit ist an der Wedding-Grundschule strukturell und konzeptionell im Schulprogramm fest verankert. Die Rahmenbedingungen sind dementsprechend sehr gut: Im Team arbeiten fünf Kolleg*innen in engem Austausch mit Schulleitung, Lehrkräften, Erzieher*innen, einem Psychologen und anderen pädagogischen Fachkräften. Kooperation wird dabei als Arbeiten auf Augenhöhe und mit gegenseitiger Wertschätzung für die jeweilige Profession gelebt. Nach dem Motto eines alten Sprichwortes, »Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen«, begleiten die Schulsozialarbeiter*innen die Schüler*innen, in dem sie in einem Beratungsnetzwerk den individuellen, systemischen und ganzheitlichen Unterstützungsbedarf erkennen, koordinieren und entsprechende Angebote entwickeln.

Sich wertschätzend miteinander auseinandersetzen

Initiiert hat den Prozess die damalige Schulleiterin Angelika Suhr mit der Schulsozialarbeit durch Unterstützung von Martin Lemme vom Systemischen Institut für Neue Autorität (SyNA). Die Neue Autorität ist als Haltungs- und Handlungskonzept zu verstehen, welches durch Transparenz und die Bereitschaft, sich wertschätzend auseinanderzusetzen, eine tragfähige Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern schafft. Ursprünglich ist es von Haim Omer in der Arbeit mit Familien entwickelt worden, in denen die Eltern ihre Präsenz verloren haben und es immer wieder in konfliktträchtigen Situationen zu hoch eskalierten Momenten gekommen war. Seit einigen Jahren wird es auch in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und in Schulen implementiert.

Grundsätzlich setzt das Programm bei den Erwachsenen an. Sie sollen in der Handlung bleiben, in der Präsenz, in der wertschätzenden Kommunikation. Ziel ist die Sicherung der Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen. Anhand eines transparenten und gewaltlosen Vorgehens und der Nutzung eines Unterstützer*innennetzwerkes lernen die Pädagog*innen entstandene Eskalationsprozesse zu erkennen, aus diesen auszusteigen und deeskalierend und beziehungsfördernd zu agieren. Somit entwickeln sie neue Möglichkeiten einer tragfähigen Beziehung und Bindung. Wichtig ist dabei die Erkenntnis: »Ich erlebe Unterstützung als Stärke in würdevoller Begegnung mit den Kindern.«

An der Wedding-Schule kam es zu Vandalismus: Toilettenkästen waren abgetreten, es gab Schmierereien, Mensastühle wurden heruntergeschmissen. Das Schulteam hat daraufhin eine so genannte »Schul-Ankündigung« geschrieben und in den Klassen vorgetragen. In dieser Ankündigung stand unter anderem: »Unser Schulgebäude ist uns wichtig. Wir haben dies und jenes beobachtet und wir tolerieren das nicht. Wir werden noch aufmerksamer sein und uns austauschen.« In der Ankündigung stand nicht, was von den Kindern erwartet wurde, sondern nur, was das Team tun würde. Da, wo der Kontakt zu den Lehrkräften und Erzieher*innen gut war, haben sich die Kinder geöffnet. Sie machten darauf aufmerksam, dass da ein Wasserhahn läuft oder in der Toilette nicht gespült wurde. Die Fürsorgepflicht der Erwachsenen führte zu einer Art Selbstfürsorge, so dass die Kinder, ohne dass von ihnen etwas erwartet wurde, vertrauensvoll in den Kontakt getreten sind. Der Vandalismus reduzierte sich fast auf Null.

Schule als Dorf

Um das Konzept Neue Autorität nachhaltig zu implementieren, um den Ort »Schule als Dorf« zu etablieren, braucht es strukturelle Vernetzungsmöglichkeiten in der Schule und mit den Kooperationspartner*innen. An der Wedding-Grundschule wurden diese durch Studientage, gemeinsame Schulungen, einen bundesweiten Fachtag zum Thema »Neue Autorität in Schule, Jugendhilfe und Gemeinde« und ein internationales Netzwerktreffen geschaffen.

Mehr unter www.neueautoritaet.de