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Schulsozialarbeit macht starkEine Gruppe in Randlage

Schulsozialarbeiter*innen bilden oft eine kleine Berufsgruppe innerhalb großer Träger. Stephan Schillhaneck-Demke ist Betriebsratsmitglied eines berlinweit agierenden freien Trägers der Jugendhilfe. Er gibt uns einen Einblick in seine Arbeit.

07.12.2020 - Das Interview führte Antje Jessa

Euer Büro liegt recht idyllisch, am Rand von Berlin.

Schillhaneck-Demke: Ja, allerdings ist die Lage aus Sicht des Betriebsrates eher ungünstig, da wir viel zu weit weg von den Mitarbeiter*innen verortet sind.

Auf welchen Wegen erreicht ihr eure Mitarbeiter*innen, wenn ihr selbst eher abseits sitzt?

Schillhaneck-Demke: Wir haben Sprechzeiten eingerichtet und sind per Mail und Telefon erreichbar. Monatlich geben wir einen schriftlichen Bericht über unsere Arbeit des letzten Monats per E-Mail an die Belegschaft heraus. Auch hatten wir vor der Pandemie mit Betriebsbegehungen begonnen und unser Format Betriebsrats-Stammtisch läuft ja schon länger, jetzt auch digital, genau wie die anstehende Teilbetriebsversammlung.

Neben Erzieher*innen und Schulhelfer*innen vertretet ihr die Schulsozialarbeiter*innen in eurem freien Träger. Welchen Anteil haben sie in der Belegschaft und wie werden sie eingesetzt?

Schillhaneck-Demke: Sie machen ungefähr 180 bis 190 von circa 1.200 Mitarbeiter*innen aus und sind in verschiedenen Schultypen von der Grundschule über Förderzentren bis hin zum Gymnasium, in Schulstationen und Jugendfreizeiteinrichtungen in ganz Berlin vertreten. Die Anzahl der Schulsozialarbeiter*innen pro Standort hängt zum einem von der Größe der Schule ab und zum anderen davon, wie die Stellen ausgeschrieben sind. Die Kolleg*innen arbeiten zum Teil in Vollzeit oder mit weniger Stunden, oft solo aber auch in kleinen Teams. Bei Bedarf kann auch ein freier Träger nachsteuern und gegebenenfalls mehr Stunden an die Schulen geben.

Gibt es strukturelle Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit den Schulen?

Schillhaneck-Demke: Wenn die ergänzenden Betreuungen nicht vom gleichen Träger betreut werden, sind Schulsozialarbeiter*innen oft in der Situation, als Einzelkämpfer*innen zu agieren. Das erfordert in dieser Tätigkeit viel Eigenständigkeit und Netzwerkarbeit. Je nach Standort sind die Kolleg*innen im Schulleben integriert, sind in Gremien vertreten und kooperieren mit den Lehrkräften und Schulleitungen, Kooperationspartnern, Ämtern und Eltern. Das ist jedoch sicher nach Standort sehr unterschiedlich.

Mit welchen Anliegen wenden sich die Schulsozialarbeiter*innen an euch?

Schillhaneck-Demke: Grundsätzlich nahmen und nehmen unsere Kolleg*innen ihr Recht, uns als Arbeitnehmer*innenvertretung zu kontaktieren, aktiv wahr und sind wertschätzende aber auch kritische Begleiter*innen unseres Wirkens. Wir unterstützen die Kolleg*innen bei Fragen rund um Dienstpläne, Urlaubszeiten, dem betrieblichen Datenschutz bis hin zu Eingruppierung und Gehalt. Da konnten wir in den letzten drei Jahren einiges anschieben und auf den Weg bringen. Das war da und dort ein dickes Brett. Aber niemand hat behauptet, dass es immer leicht wäre, in der heutigen Arbeitswelt betriebliche Interessenvertreter*in zu sein.

Du hast erwähnt, dass die Gruppe der Schulsozialarbeiter*innen einen recht kleinen Teil der Mitarbeiter*innen ausmacht. Hat das einen Einfluss auf eure Betriebsratsarbeit?

Schillhaneck-Demke: In der Tat sind die Belange der Schulsozialarbeiter*innen auch bei uns etwas in den Hintergrund geraten, da der Betriebsrat in den letzten zwei Jahren ganz andere Baustellen und Stolpersteine bearbeiten musste. Es ist auch schade, dass es zurzeit kein Betriebsratsmitglied gibt, welches dieser Mitarbeiter*innengruppe angehört. Wir hoffen, dass sich zu den anstehenden Neuwahlen Kolleg*innen aus dieser Gruppe als Kanditat*innen aufstellen lassen. Somit würde der neue Betriebsrat einen direkteren, also besseren Einblick in die Arbeitswelt der Schulsozialarbeiter*innen bekommen und könnte so gegebenenfalls deren Situation gezielter auffangen. Generell ist bei einem so großen Träger, der auf über 100 Standorte verteilt ist, ein guter Informationsfluss und Transparenz zu den Mitarbeiter*innen eine enorme Herausforderung, genauso wie für die betriebliche Interessenvertretung. Wir wissen darum und wissen auch, dass da noch Luft nach oben für uns ist.