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SchuleTesten, Impfen, Retten

Unter Corona-Bedingungen wird die Arbeit von Lehrkräften an Schulen völlig entgrenzt. Unsere Autorin versucht, es mit Humor zu nehmen.

11.01.2021 - von Katrin Pohlmann

Bisher habe ich geglaubt, dass wir Lehrkräfte mit unserem Unterricht und den vielen Verwaltungsaufgaben, die jedes Schuljahr mehr werden, genug zu tun haben. Demnächst kommt aber noch dazu, dass wir uns selbst auf das Coronavirus testen sollen. Da mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unsere Politiker*innen bald den Inzidenzwert – sagen wir mal – auf 500 Infizierte pro 100.000 Einwohner*innen an sieben Tagen erhöhen werden, bevor Kitas und Schulen schließen müssen, schlage ich ein paar erfolgversprechende Maßnahmen vor:

1. Wir Lehrkräfte könnten nicht nur uns, sondern gleich die Kinder und auch deren Eltern zwischen Sprechstunde und Klassenarbeitskorrektur mittesten, die Proben im Nawi-Raum unter Beachtung mikroskopischer Genauigkeit untersuchen und schließlich die gesammelten Ergebnisse von der völlig unterforderten Schulsekretärin an das Gesundheitsamt weiterleiten lassen.

2. Bei genauerer Betrachtung könnten wir – da der Sportunterricht ohnehin kaum möglich ist – auch in jeder Turnhalle ein Impfzentrum einrichten. Selbstverständlich würde sich das Kollegium aus dem Bereich der ergänzenden Tagesbetreuung, das sowieso zu viel Freizeit hat, den Impfvorgang genau erklären lassen, um die von allen sehnlichst erwünschte »Herdenimmunität« schnellstmöglich zu realisieren. Da alle Räume ohnehin derzeit gefühlt -70° kalt sind, wäre die Lagerung des Impfstoffs ganz bestimmt kein Problem.

3. Natürlich hätten die Kolleg*innen aus dem PC-Bereich ganz nebenbei auch noch genügend Kapazitäten, um funktionierendes Internet einzurichten, damit »Hybrid-Unterricht« für alle in häuslicher Quarantäne befindlichen Kinder möglich ist.

4. Das Desinfizieren der Räumlichkeiten sowie den Einbau von Luftreinigern mit integriertem CO²-Messer zur Verhinderung der Ausbreitung von Viren könnte der Hausmeister übernehmen, da er bei all den gut erzogenen und verhaltensunauffälligen Kindern ohnehin im Schulhaus nicht viel zu tun hat.

5. Aufgrund der oben beschriebenen Maßnahmen hätte die Schulleitung nun keine Präventionsgespräche mit den so ge-nannten »Risikopatienten« im Kollegium mehr zu führen und stünde demnach für das Retten der Menschheit bereit!