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GewerkschaftFür sexuelle Selbstbestimmung kämpfen – vor der Klasse und auf der Straße

Sogenannte »Lebensschützer*innen« rufen am 16. September erneut zum »Marsch für das Leben« – gegen Abtreibung und schulische Sexualaufklärung. Die GEW BERLIN ist Teil des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung und vertritt das Recht der Frau, über den eigenen Körper zu bestimmen.

05.09.2017 - von Ryan Plocher

Letztes Schuljahr wurde eine Schülerin an meiner Schule von ihrem Freund vergewaltigt. Es war kurz vor den Sommerferien und meine damalige 10. Klasse wollte sowieso nichts mehr lernen. Also entschied ich mich, mal wieder über Sex und sexualisierte Gewalt zu reden.

»Ein Ja ist nur ein Ja, wenn ein Nein möglich ist« und »Mein Körper, meine Verantwortung, meine Entscheidung« sind keine schwierigen Konzepte. Aber es hat sich eindeutig gelohnt, sie gemeinsam mit der Klasse näher zu untersuchen und zu besprechen. Denn es hat sich gezeigt, dass es trotz zehn Jahren Schulbildung riesige Wissenslücken gab. Und wegen fehlenden Wissens kamen manche Schüler*innen zu falschen Schlussfolgerungen. Und jetzt, weil ich darüber in der Schule reden durfte und sollte, sind sie eher dazu in der Lage, als junge Erwachsene über sich selbst zu bestimmen.

Aufklärung = Genderwahn?

Die Alternative für Deutschland und die Lebensschützer*innen wollen das alles nicht. Für sie ist Sexualkunde ausschließlich Anatomie. Die restliche Aufklärung dürfen nur die Eltern leisten. Für sie ist eine realitätsnahe sexuelle Aufklärung »Genderwahn«. Jugendlichen erklären, wie man eine Schwangerschaft beendet oder die Pille danach holt? Genderwahn. Erklären, wie man sich für sexuell übertragbare Krankheiten (STIs) testen lässt? Genderwahn. Darüber sprechen, was Schwulsein bedeutet, wie man selbstbestimmt Ja oder Nein sagt, dass auch einem sehr leisen Nein zugehört werden muss? Alles Genderwahn, alles Ideologie, alles Propaganda der Homolobby und »Feminazis» der linksgrün versifften Elite.

Aufklärung = Bildung zur Mündigkeit!

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert Bildung für ein selbstbestimmtes Leben. Am Ende der Schulzeit sollen junge Menschen nicht bloß Arbeitskräfte für den Markt sein. Sie sollen kritisch denken und selbstbestimmt handeln: nicht nur in Bezug auf die Gemeinschaft, sondern auch in Bezug auf den eigenen Körper. Deswegen brauchen wir unbedingt eine umfassende schulische Sexualaufklärung. Für uns ist das nicht Genderwahn sondern Bildung zur Mündigkeit. Nur wer über seinen Körper, seine Verantwortung, seine Möglichkeiten und Rechte Bescheid weiß, kann mündig entscheiden.

Das Recht zur eigenen Entscheidung

Weiter: Wenn man jedoch überhaupt nicht über den eigenen Körper entscheiden kann, dann ist ein selbstbestimmtes Leben auch mit Wissen nicht möglich. Von daher unterstützt die GEW das Recht der Frau, über den eigenen Körper zu bestimmen sowie sexuelle Selbstbestimmung für alle Menschen, und ruft als GEW BERLIN zur Teilnahme an der Demonstration am 16. September 2017 um 12 Uhr am Brandenburger Tor auf. Es wird auch die Bundesvorsitzende Malis Tepe sprechen.