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OSZ - Schule mit ZukunftViele Möglichkeiten unter einem Dach

Die Oberstufenzentren und berufsbildenden Schulen in Berlin geben Jugendlichen Orientierung für vielfältige Perspektiven, schaffen Anschlüsse – nicht nur Abschlüsse, und gestalten eine möglichst chancengleiche Zukunft für alle.

 

08.03.2021 - von Rosemarie Pomian und Herbert Hannebaum

In Berlin gibt es 34 Oberstufenzentren (OSZ) und 12 berufsbildende Schulen, die sich traditionell in drei große Bereiche einteilen lassen: die kaufmännischen, die gewerblich-technischen und die sozialpädagogischen. Aufgrund des permanenten technologischen Wandels im Bereich der neuen Medien, Telekommunikation oder Digitalisierung überschneiden sich mittlerweile die Berufsbilder, vor allem zwischen den gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen. Es gibt heutzutage berufsfeldübergreifende Berufe wie beispielsweise Kaufmann oder Kauffrau für E-commerce.

Die OSZ sind so etwas wie Gemeinschaftsschulen der Sekundarstufe II. Die Schüler*innen können alle allgemeinbildenden Bildungsabschlüsse erwerben beziehungsweise erworbene noch verbessern. An jedem der 34 OSZ gibt es viele verschiedene Bildungsgänge, die sich in vier Sparten einteilen lassen: die Berufsvorbereitung, die Berufsausbildung, die studienqualifizierenden Bildungsgänge und die berufliche Weiterbildung.

Die 12 berufsbildenden Schulen decken jeweils nur bestimmte Teile davon ab, wie beispielsweise die Berufsvorbereitung, die Berufsausbildung, den Zweiten Bildungsweg oder die berufliche Weiterbildung. Darüber hinaus gibt es auch berufsbildende Schulen mit sonderpädagogischen Aufgaben.

Innerhalb der OSZ funktioniert die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen sehr gut. Den Schüler*innen und Auszubildenden werden vielfältige Wechsel- und Anschlussperspektiven angeboten. Unabhängig von den Eingangsvoraussetzungen und der sozialen Herkunft offerieren ihnen OSZ Bildungschancen und ermöglichen ihnen einen guten Start in ihr zukünftiges Berufs- und Erwerbsleben. Schüler*innen, die an einem OSZ den Mittleren Schulabschluss (MSA) erreichen, könnten mit entsprechenden Jahrgangsnoten in die zweijährige Fachoberschule wechseln und mit dem dort erworbenen Abschluss ein Studium an jeder Hochschule aufnehmen, unabhängig von der Fachrichtung.

Berufsvorbereitung

Im Bildungsgang Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung (IBA) werden Schüler*innen auf eine Ausbildung in einem Berufsfeld, wie beispielsweise Technik, Gesundheit oder Wirtschaft und Verwaltung, vorbereitet. IBA ist das Scharnier des Berliner Übergangssystems von der Allgemeinbildung in die Berufliche Bildung. Das Hauptziel liegt auf der Anschlussorientierung, das heißt der Vermittlung in eine duale Ausbildung. Dazu absolvieren die Schüler*innen in diesem einjährigen Bildungsgang ein zehnwöchiges Praktikum – je nach OSZ unterschiedlich organisiert. Für leistungsstarke Schüler*innen ist es ebenfalls möglich, die Prüfung zum Mittleren Schulabschluss (MSA) zu absolvieren. In der Sozialpädagogik gibt es für Jugendliche ohne MSA kein IBA, sondern die ein- oder zweijährige Berufsfachschule für Sozialassistenz (Mehr zu IBA).

Berufsausbildung

Das Kernstück der OSZ, die berufsfeldbezogen sind, bilden die Berufsschulen mit dem Dualen System. Sie bieten fachtheoretischen und allgemeinbildenden Unterricht während der Ausbildung in einem der aktuell 325 anerkannten Ausbildungsberufe, von der Anlagenmechanikerin über die Fachkraft Gastgewerbe bis hin zum Verwaltungsfachangestellten. Die Schüler*innen kommen je nach Berufsfeld jede Woche an einem oder zwei Tagen oder alle drei Wochen jeweils für eine Woche an die Schule, an den anderen Tagen werden sie praktisch im Betrieb ausgebildet. Schüler*innen, die mit Eintritt in die Berufsausbildung noch keinen MSA hatten, bekommen diesen mit entsprechenden Noten und dem Nachweis von Englischkenntnissen zuerkannt.

Außerdem gibt es in den Berufsfachschulen der OSZ die Möglichkeit, eine vollschulische Berufsausbildung in zwei oder drei Jahren mit staatlicher Abschlussprüfung oder Kammerprüfung zu absolvieren. Hier findet auch die betriebliche Ausbildung überwiegend an der Schule statt. In diesen Bildungsgang werden Schüler*innen nach der Klasse 10 aufgenommen. Zu den angebotenen Ausbildungsberufen gehören beispielsweise die Assistent*innenberufe in den Naturwissenschaften, der Ausbildungsgang sozialpädagogische Assistenz, als Einstieg in die Erzieher*innenausbildung, oder bei den Berufen mit Kammerprüfung Kauffrau/-mann für Büromanagement.

Doppelqualifizierung Ausbildung und Bachelor

In Kooperation mit Hochschulen werden duale ausbildungsintegrierte Studiengänge angeboten. Auszubildende können parallel zur Ausbildung an einer Hochschule studieren, die Ausbildung abschließen und einen Bachelorabschluss erlangen. Das Modell ermöglicht die Anrechnung von Ausbildungsinhalten als Studienleistungen. Beispielsweise kann innerhalb von 3 1/2 Jahren sowohl der Abschluss als Steuerfachangestellte*r als auch ein Bachelorabschluss (Bachelor of Arts oder Bachelor of Laws) erworben werden.

Qualifizierung zum Studium

Die Fachoberschule und die Berufsoberschule bieten Menschen mit Berufserfahrung in ein oder zwei Jahren die Möglichkeit zum Erwerb der Hochschulreife. Diese Bildungsgänge gibt es auch als Abendschule.

Das berufliche Gymnasium bereitet auf die allgemeine Hochschulreife nach der 13. Klasse mit einem beruflichen Leistungsfach, wie beispielsweise Elektrotechnik, Wirtschaftswissenschaften, oder Pädagogik, vor. Der Übergang in das berufliche Gymnasium ist mit entsprechenden Noten nach dem MSA möglich.

Weiterbildung

Die Fachschule ist ein Bildungsgang der Weiterbildung. Es wird höhere berufliche Bildung für Menschen mit Berufserfahrung vermittelt. Als Beispiel können die Weiterbildungen zur Staatlich geprüften Lebensmitteltechniker*in oder zur Staatlich geprüften Techniker*in mit der Fachrichtung Druck- und Medientechnik genannt werden. Die Hochschulzugangsberechtigung kann erworben werden. Und auch hier gibt es das Angebot Abendschule.