GEW - Berlin
Du bist hier:

29. Mahnwache der GEW BERLIN

unter Mitwirkung des Chors „Kontrapunkte“ (Leitung: Uwe Kany)
und der GEW-Trommelgruppe

Der 9. November ist ein geschichtsträchtiges Datum: Er steht für die Ausrufung der ersten deutschen Republik 1918, den misslungenen  Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 und den Mauerfall vor 31 Jahren. Ein weiteres Ereignis der deutschen Zeitgeschichte ist untrennbar mit dem 9. November verbunden und jährt sich 2018 zum 82. Mal: die Novemberpogrome 1938.

Was geschah im November 1938?

Nach der plötzlichen Abschiebung von etwa 17.000 polnischen Jüdinnen und Juden Ende Oktober schoss der 17-jährige Herschel Grynszpan, der in Frankreich lebende Sohn einer betroffenen Familie, am 7. November auf den Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath. Nach zwei Tagen erlag dieser seinen Verletzungen. Bereits ab dem 7., vor allem aber ab dem 9. November und in den folgenden Tagen kam es reichsweit zu massiven und vom Regime bewusst angefachten gewalttägigen Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Die Täter waren Angehörige von SA, SS und Hitlerjugend, aber auch ganz normale Bürger*innen beteiligten sich an der gewalttätigen Schaffung einer rassistischen „Volksgemeinschaft“, zu der Jüdinnen und Juden per Definition nicht mehr dazu gehörten. Reichsweit kamen während der Pogrome bis zu 1.500 Personen ums Leben, wurden mehrere zehntausend männliche Juden in KZ verschleppt, etwa 1.400 Synagogen, tausende Geschäfte und Wohnungen zerstört oder geplündert. Die Anzahl der Berliner Opfer ist bis heute unbekannt. Fest steht, dass etwa 3.000 bis 4.000 Berliner Juden ins nahe gelegene KZ Sachsenhausen deportiert wurden und die Zahl der Suizide drastisch anstieg. Zudem wurden mindestens 3.000 Geschäfte demoliert und ein Großteil der Synagogen zerstört. Die gewalttätigen Ausschreitungen lösten bei vielen Berliner*innen Entsetzen aus, doch viele, zu viele, schauten weg – wohin das führte, wissen wir.

Nur wer aus der Vergangenheit lernt, kann die Zukunft menschlich gestalten!

Antisemitismus und Rassismus sind auch heute noch Teil der deutschen Gesellschaft. In den letzten Jahren werden sie zunehmend offener und radikaler geäußert, bis hin zu körperlicher Gewalt. Auch heute heißt es, nicht wegzuschauen, sondern aktiv zu werden, nicht erst bei gewalttätigen Übergriffen, sondern bereits dann, wenn aufgrund von Religion oder Herkunft, von Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsstatus, wegen körperlicher Unterschiede, sexueller Orientierung oder Geschlecht die Ungleichwertigkeit von Menschen behauptet wird. Wir als GEW BERLIN stehen für eine offene Gesellschaft, eine Gesellschaft der Vielfalt, in der kein Raum für Ausgrenzung und Diskriminierung ist. Deshalb erinnern wir am heutigen Tag an die Opfer der Novemberpogrome und setzen uns auch künftig aktiv gegen Antisemitismus, Rassismus und rechtes Gedankengut ein.

Pogrome entstehen in den Köpfen der Menschen. Auch der Widerstand dagegen muss in den Köpfen beginnen – und zu aktivem Handeln führen!

Termin
09.11.2020, 18:30 - 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Gedenktafel vor dem U-Bahnhof Wittenbergplatz

Kalendereintrag herunterladen (ICS)