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Nr. 09 / 2016Berliner Grundschulen brauchen qualifizierte Lehrkräfte

22.02.2016

Die GEW BERLIN erwartet von Bildungssenatorin Scheeres, dass sie ein Sofortprogramm zur Lehrkräftegewinnung und Qualitätssicherung für die Berliner Grundschulen auf den Weg bringt. „Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen bringen uns und vor allem die Grundschulen nicht weiter. Wir brauchen ein bereits zum Sommer 2016 wirkendes Programm, das sowohl den hohen Lehrkräftebedarf abdeckt, als auch die Qualität der Ausbildung der Lehrkräfte sicherstellt“, sagte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN. „Die GEW BERLIN ist bereit, daran mitzuwirken, wenn die Bedingungen stimmen. Dazu gehört auch die Perspektive, dass die Bezahlung der Grundschullehrkräfte auf das Niveau ihrer Kolleg*innen an Sekundarschulen und Gymnasien angehoben wird.“

Die GEW BERLIN begrüßt die Ankündigung von Senatorin Scheeres, die Zahl der Studienplätze für das Grundschullehramt erhöhen zu wollen. „Das ist ein überfälliger Schritt, der uns aber kurzfristig nicht weiterhilft. Deutlich größeres Gewicht muss jetzt vor allem die Ausbildung und Betreuung von Quereinsteiger*innen und Lehrkräften erhalten, die nicht für die Grundschule ausgebildet sind“, so Erdmann weiter.

Lehrkräfte, die ihre Ausbildung für Integrierte Sekundarschulen und Gymnasien absolviert haben („Studienrät*innen“), müssen beim Einsatz in der Grundschule berufsbegleitend in Grundschulpädagogik und Didaktik fortgebildet werden – mit angemessener Ermäßigung ihrer Unterrichtsverpflichtung. Quereinsteiger*innen müssen von Anfang an pädagogisch und fachlich begleitet und ausgebildet werden. Die Kapazitäten für die berufsbegleitenden Studien in Mathematik und Deutsch müssen deutlich erhöht werden, damit Quereinsteiger*innen mit nur einem studierten Fach spätestens nach einem Schulhalbjahr mit den Studien beginnen können. Für die berufsbegleitende Ausbildung muss die Unterrichtsverpflichtung auf die Hälfte der regulären Stunden gesenkt werden.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die GEW BERLIN bei der Beratung und Information potentieller Quereinsteiger*innen durch die Senatsverwaltung. „Bei der Beratung liegt vieles im Argen. Die künftigen Lehrkräfte erfahren häufig erst bei Vertragsabschluss, dass sie noch berufsbegleitend studieren müssen oder ihr Referendariat erst später beginnen können“, unterstreicht Erdmann. „Wer sich auf diesen mühsamen Weg des Quereinstiegs begibt, muss frühzeitig wissen, was ihn oder sie erwartet.“

Weitere Maßnahmen sind aus Sicht der GEW BERLIN notwendig:

  • Das berufsbegleitende Referendariat muss wie das reguläre auch in Teilzeit möglich sein, damit Quereinsteiger*innen ihre Ausbildung mit weniger Druck in 24 statt in 18 Monaten absolvieren können.
  • Fachfremder Unterricht, Vertretungsstunden und die Übertragung von Klassenleiter*innenfunktionen sind während der Ausbildung auszuschließen.
  • Die zwei Mentor*innen-Stunden, die die Schulen für jede*n Quereinsteiger*in erhalten, müssen auch bei den Lehrkräften ankommen und nicht für andere Zwecke verwendet werden. Hier sind vor allem die Schulleitungen in der Pflicht.
  • Quereinsteiger*innen in der Grundschule, die weder Mathe noch Deutsch aus ihrem früheren Studium mitbringen, sind vor dem Referendariat in den berufsbegleitenden Studien in Mathe und Deutsch auszubilden.
  • Lehrkräfte ohne Lehramtsausbildung, die kein Mangelfach, aber mindestens ein Unterrichtsfach der Berliner Grundschule studiert haben, und die bereits ein Jahr befristet in der Grundschule als Vertretungslehrer*in arbeiten, sollen unbefristet eingestellt werden und die berufsbegleitende Ausbildung (Referendariat und ggf. vorher Studien) absolvieren.
  • Lehrkräfte in den sogenannten Willkommensklassen müssen unbefristete Verträge bekommen. Sofern sie die Voraussetzungen erfüllen, sind sie ebenfalls in die berufsbegleitende Ausbildung aufzunehmen. Eine DAZ / DAF-Qualifikation ist mit dem Fach Deutsch gleichzustellen.

Hintergrund:
Das Land Berlin bildet viel zu wenige Grundschullehrkräfte aus. Von den 344 Lehrkräften, die im Februar an Berliner Grundschulen eingestellt wurden, sind 81 Quereinsteiger*innen und 143 Studienrät*innen, die nicht für die Arbeit an Grundschulen ausgebildet sind.