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Nr. 28 / 2012Langzeitarbeitslose zu Erzieher*innen - von Hartz IV in die Kita

11.07.2012

Genau vor vier Wochen wurde die öffentliche Diskussion um die entlassenen Schlecker-Frauen entfacht. Jetzt spricht das Bundesfamilienministerium davon, bundesweit 800.000 Langzeitarbeitslose zu Erzieherinnen und Erziehern umzuschulen. Die GEW BERLIN fürchtet, dass die beiden zuständigen Ministerinnen hier das sogenannte Sommerloch nutzen, um mit immer wieder neuen öffentlichen Debatten und abenteuerlichen Vorschlägen von ihrer Verantwortung ablenken. Stattdessen gilt es endlich Maßnahmen umzusetzen, um dem großen Fachkräftemangel von Erzieherinnen und Erziehern entgegen zu wirken. Denn ab 2013 haben Eltern einen gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz. Zwingend notwendig sind stimmende Voraussetzungen, wenn Langzeitarbeitslose zu Erzieher*innen umgeschult werden. Bereits heute nutzen viele Menschen die Möglichkeit sich berufsbegleitend innerhalb von drei Jahren zur Erzieherin ausbilden zu lassen. Hier ist eine abgeschlossene Berufsausbildung Einstiegsvoraussetzung. Als allgemeine Zugangsvoraussetzung für die dreijährige Ausbildung zur Erzieherin gilt in Berlin die Fachhochschulreife. Es darf in dieser öffentlichen Diskussion nicht der Eindruck erweckt werden, dass der Beruf der Erzieherin mal schnell in einer Umschulung von allen erlernt werden kann. Dem ist nicht so. Kitas sind Bildungseinrichtungen. Der Beruf der Erzieherin / des Erziehers ist pädagogisch anspruchsvoll. Wir brauchen in den Kitas gut ausgebildete und hochmotivierte Fachkräfte. Die Bildung und Erziehung kleiner Kinder wird immer komplexer und die Anforderungen werden immer höher. Diese öffentliche Debatte darf zu keiner Dequalifizierung des Berufes führen. Der fachtheoretische Teil der Ausbildung, der 2.400 Sunden umfasst, darf weder gekürzt noch vernachlässigt werden.

Doreen Siebernik, Vorsitzende GEW BERLIN: „Dieser Beruf muss endlich aufgewertet werden! Es muss Geld investiert werden, um die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung zu verbes-sern. Nur so kann es gelingen, die Attraktivität zu steigern und das Interesse für diesen tollen und spannenden Beruf zu wecken. Die politisch Verantwortlichen sind deutlich in der Pflicht. Diese immer neuen Debatten lenken nur von ihrer Verantwortung ab und werden den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ab 2013 nicht lösen.“