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Nr. 23 / 2012Arbeitsbelastungen senken, Arbeitszeitbetrug verhindern, Attraktivität pädagogischer Arbeit in Berlin erhöhen!

07.06.2012

Am 07. Juni versammeln sich um 16:00 Uhr Berliner Pädagoginnen und Pädagogen vor der Senatsbildungsverwaltung in der Bernhard-Weiß-Straße, um auf nicht mehr hinnehmbare Bedingungen in der Berliner Bildungsarbeit aufmerksam zu machen. In zahlreichen E-Mails und im Internet haben Berliner Pädagoginnen und Pädagogen ihre hohen Arbeitsbelastungen in den Schulen verdeutlicht. Brandbriefe und Überlastungsanzeigen aus Einzelschulen sind ein deutliches Signal, um auf die Misere hinzuweisen. Folge sind inzwischen mehr als 1.600 langzeiterkrankte Beschäftigte und die meisten erreichen die Berufsaltersgrenze nicht. Es müssen alternsgerechte Arbeitsbedingungen für die PädagogInnen her. Grund sind die zahlreichen neuen, zusätzlichen Aufgaben. Schulprogramme, Konzepte und interne Curricula sind zu erstellen und zu evaluieren, Vergleichsarbeiten, neue Prüfungsformen, der Mittlere Schulabschluss, Kooperation mit außerschulischen Einrichtungen sind einige der zusätzlichen Arbeitsinhalte. Für pädagogisch anspruchsvolle Reformen wie die Entwicklung zur Ganztagsschule, die Schulanfangsphase, die Integrierte Sekundarschule, Integration und die Entwicklung zur inklusiven Schule sind die Herausforderungen, die zusätzliche Ressourcen dafür fehlen aber.

Der Bildungssenat berichtet halbjährlich von seinem Erfolg, die Personalausstattung mit nahezu 100 Prozent abgesichert zu haben. Die Pädagoginnen vor Ort berichten immer wieder von Mangelausstattung. Die zur Verfügung gestellten Vertretungsmittel reichen nicht aus. Erzieherinnen vertreten Lehrkräfte und die nur für Lehrerinnen greifende Personalkostenbudgetierung von drei Prozent hilft nur bedingt, denn derzeit sind fast 60 Prozent der PKB-Vertretungskräfte ohne eine vollständige oder ganz ohne pädagogische Ausbildung. Die Arbeitszeit von Lehrkräften wurde in den vergangenen Jahren mehrfach und zuletzt 2003 erhöht. Altersteilzeit und Altersermäßigung sowie andere Ermäßigungsmöglichkeiten wurden gestrichen.

Hartmut Schurig: „Eine Beendigung der Arbeitszeitkonten ohne eine Kompensation verstehen unsere KollegInnen als Betrug. Damit wäre die Arbeitszeiterhöhung von 2003 zementiert, obwohl die PädagogInnen dringend Entlastung brauchen. Erzieherinnen benötigen tarifliche Regelungen über verlässliche Vor- und Nachbereitungszeiten. Sie erwarten Altersteilzeitregelungen, die sie nicht in die Armut treiben.“

Durch die politische Entscheidung, in Berlin Lehrkräfte nicht mehr zu verbeamten, gibt es darüber hinaus in den Schulen unterschiedliche Einkommens- und Arbeitsbedingungen für die gleiche Arbeit. Hartmut Schurig: „Die jungen Lehrkräfte sind sauer. Da muss was für die weitere Angleichung passieren.“