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Nr. 07 / 2012GEW BERLIN fordert Frau Scheeres zum Handeln auf - Attraktivität pädagogischer Arbeit verbessern - Ausstattung der Schulen erhöhen

24.02.2012

Die Arbeitsbelastung an Schulen ist außerordentlich hoch. Eine hundertprozentige Ausstattung kann dabei lediglich als statistische Größe betrachtet werden. In der Realität bedarf es mindes­tens einer Ausstattung von 110 %, um Vertretungen und ähnliches fachgerecht durchführen zu können. Personallücken gehen meist zu Lasten der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler. Die GEW BERLIN sieht daher Senatorin Scheeres in der Pflicht, konkrete Vor­schläge für Verbesserungen zu unterbreiten.

Die Senatsverwaltung weist in ihrer Statistik einen seit Jahren relativ konstanten Vertretungsan­fall von gut 10 % der zu erteilenden Unterrichtsstunden aus. Der tatsächliche Ausfall liegt nach Senatsangaben zwischen 2 % und 3 %. Die restlichen 7 % sind Mehrarbeit für die Kolleginnen und Kollegen. Eine „Stichtagserhebung“ der GEW BERLIN im Januar zum Thema „Unterrichts­gestaltung“ hat aber noch deutlicher gezeigt, dass etwa 30 % des Unterrichts an den 40 Schu­len, die sich zurückgemeldet haben, nicht in der geplanten Form stattfand. Diese Diskontinuität im Unterrichtsalltag führt ebenfalls zu zusätzlichen Arbeitsbelastungen für die an den Schulen tätigen Beschäftigten.

Der Vorsitzende der GEW BERLIN, Hartmut Schurig, dazu: „ Das Land Berlin hat in den vergangenen 10 Jahren die Arbeitszeit massiv erhöht und zudem wegen der ungleichen Behandlung von Angestellten und Beamten in vielerlei Hinsicht für erhebliche Unruhe und Störungen in den Schulen gesorgt. Die vom Berliner Senat seit dem Jahr 2009 ge­währte Zulage für vollausgebildete neu eingestellte Lehrkräfte nach der höchsten Erfah­rungsstufe hat zeitweilig als Lockangebot gezogen. Nun reicht auch das nicht mehr aus. Darüber hinaus ist sie noch immer eine einseitige und nicht tariflich abgesicherte Rege­lung. Die GEW BERLIN ist bereit, mit der Senatorin über wirksame Verbesserung der At­traktivität des Lehrerberufs zu verhandeln. Unsere Vorschläge sind bekannt.“

Nach der aktuellen Einstellungsrunde zum zweiten Schulhalbjahr wird deutlich: Es wird immer schwerer, die notwendige Einstellungszahl zu erreichen. Das zentrale Einstellungsverfahren kann bedarfsgerechte Einstellungen nicht garantieren. Oft haben gerade jene Integrierten Se­kundarschulen, die die besten Lehrkräfte benötigen, es besonders schwer, um den pädagogi­schen Herausforderungen gewachsen zu sein. Hier sind gezielte Verbesserungen nötig. Laut der Senatsstatistik „Blickpunkt Schule 2011/2012“ geht die Schülerzahl im kommenden Jahr um 4.500 zurück, mittelfristig steigt die Schülerzahl bis 2020 aber auf knapp 300.000. Dies kollidiert mit einer zunehmenden Pensionierungswelle, die ebenfalls eine Erhöhung der Einstellungsquo­te erfordert - Attraktivitätssteigerung ist also in vielerlei Hinsicht unabdingbar.