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Nr. 16 / 2011Kinder müssen draußen bleiben - Kitabedarfsplanung braucht andere Grundlage

08.06.2011

Die GEW BERLIN hat mit Enttäuschung die Kitabedarfsplanung des Senats zur  Kenntnis genommen. Wenn es dabei bleibt, werden mehrere tausend Kinder in den nächsten Jahren keinen Kitaplatz bekommen.

Um den Platzbedarf zu decken, will Bildungssenator Zöllner vor allem auf genehmigte, aber nicht belegte Plätze zurückgreifen. In der Tat besteht eine Diskrepanz zwischen genehmigten (140.000) und belegten (122.000) Plätzen: Allerdings ist es eine irrige Annahme, dass diese Plätze in nennenswerter Zahl zu „aktivieren“ wären. In der Praxis stehen diese Plätze aus verschiedensten Gründen nicht zur Verfügung. Hier einige beispielhaft: Die Betriebserlaubnisse geben eine Höchstgrenze der Belegung an, orientieren sich häufig an anderen Altersgruppen (Hortkinder) und Konzeptionen. Zu berücksichtigen sind ferner regionale Unterschiede.

Ein anderer wesentlicher Grund der Nichtbelegung von Kitaplätzen ist schon  jetzt der gravierende Fachkräftemangel. Hier gilt schlicht. Wenn nicht ausreichend ErzieherInnen zur Verfügung stehen, können die Plätze nicht belegt werden.

Aus Sicht der GEW BERLIN sind dringend weitere nachhaltige Maßnahmen erforderlich, um den Fachkräftemangel zu beheben. Die Ausweitung der Ausbildungskapazitäten ist eine Seite, eine andere ist es, Werbung für den Beruf der Erzieherin zu machen und attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. Die Bezahlung von ErzieherInnen wird in keiner Weise den an sie gestellten permanent steigenden Anforderungen gerecht und liegt in Berlin zudem deutlich unter den Verdienstmöglichkeiten in den anderen Bundesländern. Die Folge : Insbesondere junge ErzieherInnen verlassen nach dem Abschluss ihrer Ausbildung Berlin. Schlechte Bezahlung, Fristverträge und Teilzeitstellen machen den Beruf nicht attraktiv. Das Land Berlin ist gefordert, hier alle tariflichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Einkommen der ErzieherInnen zu verbessern.

Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der GEW BERLIN: „Den Eltern, die dringend einen Kitaplatz suchen, wird der Senat mit seinen Bedarfsplanungen wenig helfen. Sie sind unzureichend und gehen am realen Bedarf vorbei. Wenn der Senat allen Kindern einen Kitaplatz zur Verfügung stellen will, muss er eine Planung vorlegen, die auf einer seriösen Analyse beruht und dann auch die erforderlichen Maßnahmen ergreifen – auch wenn sie Geld kosten.“