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Nr. 11/2020Ausgabe von 9.500 iPads darf kein Schnellschuss bleiben

29.04.2020

Die GEW BERLIN begrüßt den politischen Willen der Senatsverwaltung, sozial benachteiligte Schüler*innen in der aktuellen Situation zu unterstützen, kritisiert aber die Art der Umsetzung. „Die Ausgabe von 9.500 Tablets droht mehr Probleme zu schaffen als zu lösen. Es braucht ein konkretes Konzept für eine gerechte Verteilung und für die langfristige Verwendung“, sagte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN.

Erdmann forderte: „Auch bei kurzfristigen Entscheidungen muss auf die gebotene Transparenz und die Mitbestimmung der Betroffenen geachtet werden.“ Diese schnelle pragmatische Lösung darf die bisherigen Planungen in den Schulen, was Infrastruktur und Medienentwicklungskonzepte betrifft, nicht in Frage stellen. „Es gibt zahlreiche Schulen, die ihre eigenen Bedarfe in sogenannten Medienentwicklungsplänen beschrieben haben. Diese Planungen finden aktuell keine Berücksichtigung“, konstatierte Erdmann. Mit der Ausgabe der Tablets wird die bisherige Leitlinie Didaktik vor Technik, also erst die Planung dann die Technik, verlassen. Die GEW BERLIN fordert gesetzliche Regelungen für das digitale Lernen. Diese müssen endlich auf den Weg gebracht werden.

Die GEW BERLIN sieht auch die Festlegung auf iPads von Apple kritisch. „Damit wird einer bestimmten Firma und einer bestimmten Geräteklasse der Vorrang gegeben. Dieser Gerätetyp bringt einige Probleme mit sich. So ist der Schutz der persönlichen Daten ungeklärt beziehungsweise nicht DGSVO-konform. Wenn hier nicht Vorkehrungen getroffen werden, wie Limitierung von Ortungsdiensten und Werbetracking, bewegen sich die Schulen mit den Geräten im rechtsfreien Raum“, so Erdmann. Für all diese Fragen sollte es verlässliche Ansprechpersonen geben. Zudem wäre ein Lernvideo als Anleitung für die wichtigsten Grundeinstellungen der iPads hilfreich. Dieses sollte leicht zugänglich sein, zum Beispiel über die Webseite der Senatsbildungsverwaltung.

Es stellt sich die Frage, welche Ressourcen für die Administration der Geräte, die Beratung der Lehrkräfte sowie der Schüler*innen und deren Eltern bereitgestellt werden. „Es darf jedenfalls nicht sein, dass dies ‚unter der Hand‘ als zusätzliche Aufgabe der ohnehin schon überlasteten IT-Betreuer*innen an den Schulen eingeplant wird“, stellte Erdmann klar. Die zentrale Verwaltung der Geräte, der lokale Bedarf an Apps und die damit verbundenen Lizenzkosten sind nicht leicht zu bewerkstelligen.