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Nr. 11/2021Für Kita- und Schulöffnung ist es noch zu früh

11.02.2021

Die GEW BERLIN ruft die Senatsbildungsverwaltung aufgrund des weiter unsicheren Infektionsgeschehens zur Zurückhaltung bei der Kita- und Schulöffnung auf. „Zum jetzigen Zeitpunkt müssen alle Anstrengungen darauf gerichtet sein, die Anzahl der Infektionen unter die Inzidenz von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Menschen in einer Woche zu senken und die niedrigen Infektionszahlen stabil zu halten“, erklärte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann. Erst dann sollte aus Sicht der GEW eine schrittweise Öffnung der Kitas und Schulen in halbierten Lerngruppen und prioritär in den Jahrgängen 1-3 erfolgen.

Vor der Schulöffnung muss nach Ansicht der GEW BERLIN der Corona-Stufenplan überarbeitet werden. „Die Maßnahmen müssen an berlinweite Inzidenzwerte gekoppelt werden, um Klarheit für alle Beteiligten zu schaffen. Der Senat sollte sich an den RKI-Empfehlungen zum Wechselunterricht ab einem Inzidenzwert von 50 orientieren und zusätzlich mögliche Effekte der Mutationen berücksichtigen. Spätestens ab einer Inzidenz von 100 brauchen wir verbindlich Fernunterricht“, sagte Erdmann. Im bisherigen Berliner Stufenplan für die Schulen spielen die Inzidenzen nach wie vor kaum eine Rolle.

Es nützt niemandem, wenn wir in Kürze den nächsten Lockdown haben, weil die Zahlen wieder zu hoch sind. Wir brauchen jetzt keine erneuten Schnellschüsse, sondern Verlässlichkeit. Ein solides Gesamtkonzept ist aber weiter nicht zu erkennen. Bei sehr vielen Maßnahmen der Senatsverwaltung gibt es ungeklärte Fragen. Sowohl Pädagog*innen als auch die Familien haben weiterhin die Sorge, dass für ihren Schutz nicht ausreichend getan wird“, erklärte die Vorsitzende der GEW BERLIN, Doreen Siebernik. Sie erinnerte an die inzwischen über 52.000 Berliner*innen, die sich mit einer Petition an den Senat gewandt haben, um eine übereilte Schulöffnung zu verhindern.

Bei den jüngst vorgestellten Maßnahmen setzt die Senatsverwaltung unter anderem auf freiwillige Selbst-Schnelltests in Kitas und Schulen. „Abgesehen von der Frage, ab wann die Tests ausreichend zur Verfügung stehen, ist offen, wie genau die Anwendung erfolgen soll. Wird zu Hause getestet oder in der Schule? Wer soll die Kinder bei der Testung so anweisen, dass keine Fehler unterlaufen? Es herrscht große Unsicherheit. Auch ist fraglich, wie mit der Freiwilligkeit umzugehen ist. Wenn sich nur wenige Personen den Tests unterziehen, welchen Wert haben diese dann? Die Schulen dürfen mit den Fragen auf keinen Fall allein gelassen werden“, sagte Siebernik.

Die kurzfristige Kommunikation neuer Maßnahmen ist für eine behutsame Schulöffnung nicht zuträglich. Um neue Maßnahmen gut umsetzen zu können, brauchen die Schulen mindestens eine Woche Vorlauf. Die GEW BERLIN erneuerte zudem die Forderung an Senatorin Scheeres, die Beschäftigtenvertretungen in die Planungen einzubeziehen.

Frühere Impfmöglichkeiten für Erzieher*innen und Lehrkräfte befürwortet die GEW BERLIN. Dies wäre ein wichtiger zusätzlicher Baustein für einen besseren Schutz.