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Nr. 17/2021Pädagog*innen brauchen alternatives Impfangebot

16.03.2021

Mit Blick auf die sich verschärfende Corona-Infektionslage warnt die GEW BERLIN vor der weiteren Öffnung von Schulen und Kitas. Die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen steigen rasant, es gibt bisher keine flächendeckende Teststrategie an Kitas und Schulen und seit gestern sind auch die Impfungen mit AstraZeneca ausgesetzt. „Ein weiteres Öffnen der Bildungseinrichtungen ist angesichts der negativen Entwicklung unverantwortlich. Das Ansteckungsrisiko in Kitas und Schulen ist zu hoch. Es braucht einen Strategiewechsel, weg von der Orientierung an Jahrgängen hin zum Fokus auf Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf. Spätestens mit dem Erreichen der 7-Tage-Inzidenz von 100 müssen die Schulen wieder in den Distanzunterricht und die Kitas in die Notbetreuung“, erklärten die Vorsitzenden der GEW BERLIN, Tom Erdmann und Doreen Siebernik.

Angesichts des Impfstopps für AstraZeneca fordert die GEW BERLIN transparente Informationen: „Schulen und Kitas können nur offenbleiben, wenn Pädagoginnen und Pädagogen jetzt die Möglichkeit bekommen, sich auch mit den Impfstoffen anderer Hersteller impfen zu lassen“, betonte Siebernik. „Sehr viele Erzieher*innen und Lehrkräfte haben Sorge, wenn sie zur Arbeit gehen. Die Aussicht auf schnelle Impfungen ist für die Beschäftigten ein Silberstreif am Horizont.“

Trotz optimistischer Ankündigungen der Senatsverwaltung ist das Testen an Schulen und Kitas bisher eine große Baustelle. „Es gibt nicht genügend Tests für alle Schüler*innen. Solange es hier zahlreiche Lücken und Unklarheiten gibt, sollte der Präsenzunterricht heruntergefahren werden. Die Zeit bis Ostern muss genutzt werden, um die Testung solide auf die Beine zu stellen. Das Motto `Augen zu und durch´ ist nicht hinnehmbar. Es muss nun wirklich eine Kraftanstrengung erfolgen“, betonte Erdmann. Der GEW-Landesvorsitzende bekräftigte erneut die Forderung, dass es einen Fahrplan für die Zeit bis zu den Sommerferien braucht.

Da es aus Sicht der GEW BERLIN unter den aktuellen Bedingungen in den Kitas und Schulen nur ein sehr eingeschränktes Präsenzangebot geben kann, ist es dringend geboten, Angebote für Kinder und Jugendliche zu schaffen, die der sozialen Isolation entgegenwirken. „Es darf sich jetzt nicht alles nur um den Lernstoff drehen, sondern das psychosoziale Wohlbefinden muss in den Fokus. Wir brauchen kreative Lösungen“, sagte Erdmann. Für Kinder und Jugendliche, denen es schwerfällt, zuhause zu lernen, könnten Schulen Räume und Begleitung zur Verfügung stellen. Für ältere Schüler*innen könnte es Angebote geben, sich mit Mundschutz in kleinen Gruppen zum gemeinsamen Lernen und Austauschen in schulischen Räumen zu treffen. Es könnten ebenso kleine Kita- und Schulausflüge im Freien stattfinden.

Auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Abiturprüfungen muss neu diskutiert werden. Bei den zentralen Prüfungen sollen in Kürze sehr viele Schüler*innen zusammenkommen. Die GEW BERLIN spricht sich für ein Abitur auf Basis der in der Qualifikationsphase erlangten Leistungen aus.