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Stellungnahme zum Gesamtkonzept „Inklusive Schule“ des Senats

Letzte Aktualisierung: 07.03.2011

Unter welchen Bedingungen die gemeinsame Unterrichtung aller Kinder unabhängig von ihren Fähigkeiten und Beeinträchtigungen sowie ihrer ethnischen, kulturellen und sozialen Herkunft gelingen kann:

  1. Wir befürworten einen konsequenten Weg zur Inklusion, der aber für einige Zeit noch über Zwischenstadien führen muss. Es ist notwendig, zunächst auch selektive Systeme bestehen zu lassen, wenn sie dem Wohl der Kinder dienen und dem Elternwunsch entsprechen. Dazu gehören neben sonderpädagogischen Förderzentren auch integrative Klassen und später inklusive Schwerpunktschulen.
  2. Ein erfolgreiches Inklusionskonzept kann nur mit ausgebildeten Sonderschulpädagoginnen und -pädagogen umgesetzt werden, die sowohl unterrichtend aktiv sind wie auch beratend für alle anderen Kolleg/innen an den Regelschulen.
  3. Ein wirksames Inklusionskonzept muss finanziell so ausgestattet sein, dass die notwendige Förderung allen betroffenen Kindern zugute kommt. Die Versorgung mit Hilfsangeboten muss kurzfristig und unbürokratisch möglich sein.
  4. Die Zuweisung von Ressourcen muss nach diagnostiziertem Bedarf erfolgen und nicht nach pauschalen Schätzungen oder theoretischen Richtwerten. Dabei müssen die Standards der Diagnose landesweit gelten und alle bisherigen Förderschwerpunkte umfassen (auch Lernen, emotional-soziale Entwicklung und Sprache).
  5. Die Vergabe von Mitteln muss ständig am Bedarf orientiert sein, eine „Deckelung von Mitteln“ oder „kostenneutrale Lösungen“ verbieten sich als ungeeignete weil unflexible und unzureichende Finanzierungsbasis. Eine geplante Verteilung der Ressourcen nach dem Gießkannenprinzip ist nicht akzeptabel, der Förderbedarf muss weiterhin direkt an den Bedürfnissen der Kinder orientiert sein und danach berechnet werden.
  6. Eine langfristige und ausreichende Sicherung der personellen Ausstattung ist für ein nachhaltiges und verlässliches Inklusionsprogramm unerlässlich. Dies verlangt eine stabile Grundfinanzierung des Vorhabens.
  7. Zu einer erfolgreichen Umsetzung dieses ehrgeizigen Projekts gehört eine Absenkung der Klassenstärke auf 18 – 21 Kinder, je nach festgestelltem Unterstützungsbedarf. Das gängige 2-Pädagogen-Prinzip stellt eine sinnvolle und oft notwendige Alternative der Betreuung dar und muss ebenso wie die Frequenzabsenkung in die seriöse Kostenberechnung einbezogen werden.
  8. Die nötige Qualifizierung des Personals wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen, eine Versorgung aller Schulen mit sonderpädagogischen Fachkräften ist sicherzustellen. Ein Abbau sonderpädagogischer Förderzentren kann frühestens erfolgen, wenn die Qualität der Betreuung an den Regelschulen sichergestellt ist.

Die ausführlche Stellungnahme können Sie rechts als PDF-Datei herunterladen.