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Nr. 15/2022

Geflüchteten den Einstieg in die Berliner Schule erleichtern

Die GEW BERLIN spricht sich dafür aus, die erste erlernte Sprache (Herkunftssprache/ Muttersprache) in schulische Bildungsangebote für Geflüchtete grundsätzlich zu integrieren. Der bisherige Leitfaden zur Integration von geflüchteten Kindern sollte entsprechend überarbeitet werden. „Für Kinder und Jugendliche, die aus einem anderen Land nach Berlin kommen, sollte eine Kombination von gemeinsamen Unterricht mit der gezielten Förderung im Deutschlernen aber auch mit erstsprachlichen Angeboten angestrebt werden“, erklärte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN.

Erstsprachliche Bildungsangebote, wie sie die GEW BERLIN seit Langem fordert, sollten ein integraler Bestandteil schulischer Bildung sein – dies müsse für alle in Berlin gesprochenen Erstsprachen gelten. „Die neuen Regelungen im Schulgesetz bieten hier schon einen guten Ansatzpunkt. Ein Ausweiten der Angebote ist aber dringend erforderlich. Sprache ist ein wichtiger Aspekt zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen. Insbesondere in schwierigen Momenten wie sie aktuell viele Kinder erleben, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind, kann Sprache zur Stabilisierung beitragen. “, sagte Erdmann. Auch 2015/16 wäre ein Einbezug der Erstsprache für die aus Syrien geflohenen Kindern und Jugendlichen sicher gut gewesen.

Gemeinsamer Unterricht könnte zum Beispiel in den erlernten Fremdsprachen, in den musischen Fächern oder beim Sport erfolgen. Neben dem Deutschunterricht sollte Raum für die ukrainische Sprache und Lerninhalte geschaffen werden. Ebenso sollte für die Unterstützung im Ganztag ukrainischsprachiges Personal eingesetzt werden.

Für den Ausbau der Bildungs- und Jugendhilfeangebote ist dringend zusätzliches Personal nötig. „Zur Gewinnung von Lehrkräften, sozialpädagogischen Fachkräften, Schulpsycholog*innen und Sprachmittler*innen sind geeignete Fachkräfte unter den Geflüchteten einzubeziehen. Ausländische Abschlüsse sind großzügig und ohne langes Verfahren anzuerkennen“, forderte der GEW-Landesvorsitzende. Die GEW BERLIN hat zur Anerkennung von ausländischen Lehramtsqualifikationen bereits 2021 sehr konkrete Forderungen vorgelegt, um die nach wie vor bestehenden Hürden abzubauen. Für die begleitende Sprachqualifizierung sind finanzielle Mittel bereitzustellen. Das Anerkennungsverfahren sollte gebührenfrei durchgeführt werden. Eine begleitende Unterstützung der Bewerber*innen bei der Antragsstellung und im Gleichstellungsverfahren muss durch die Senatsbildungsverwaltung eingerichtet werden, mit mehrsprachigen Informationen, Bescheiden in verständlichem Deutsch und einer Sprachberatung.

Zur langfristigen Fachkräftegewinnung würde es ebenso beitragen, das Fach „Deutsch als Zweitsprache“ als Lehramtsfach anzuerkennen. Die Kompetenzen werden dringend benötigt.

Die Forderungen zu Bildung und Anstellungsoptionen beziehen sich explizit auf alle Menschen. Die Ungleichbehandlung von Zuflucht suchenden Menschen, die sich gerade an verschiedenen Stellen abzeichnet, lehnt die GEW BERLIN grundsätzlich ab.

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher
Telefon:  030 / 219993-46