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Nr. 05 / 2019Angehende Lehrkräfte besser bezahlen

31.01.2019

Berlin verliert zu viele angehende Lehrkräfte auf ihrem Weg durch Lehramtsstudium und Referendariat. Nur 50 Prozent der ursprünglichen Bewerber*innen für das reguläre Referendariat in Berlin treten ihren Vorbereitungsdienst auch an. Dieser Verlust ist besonders schmerzhaft, da Berlin auch in der aktuellen Einstellungsrunde wieder knapp die Hälfte aller Neueinstellungen nicht mit ausgebildeten Lehrkräften besetzen kann. Nur etwa 550 Personen werden am 4. Februar ihr reguläres Referendariat beginnen.

„Die Abwendung vom Referendariat hat in Berlin vielfältige Ursachen. So sind die hohen Mieten und die fehlenden Kinder-Betreuungsplätze ein Problem. Vor allem aber hinken die Berliner Referendariatsgehälter mit rund 1.350 Euro im Vergleich zu den anderen Bundesländern hinterher. Nur Rheinland-Pfalz und das Saarland zahlen noch weniger als Berlin“, erklärte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann. Besonders auf Referendar*innen mit Kindern wirkt sich das aus. So erhält eine Referendarin mit zwei Kindern an einer Sekundarschule in Berlin über 150 Euro weniger als in Brandenburg.

„Bei allen finanziellen Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung von Lehrkräften an Berlin wurden die Referendar*innen bisher vergessen. Damit der Ausbau der Studienplatzkapazitäten auch dem Lehrkräftemangel entgegenwirken kann, muss das Referendariat attraktiver werden“, forderte Erdmann. Die GEW BERLIN setzt sich für eine deutliche Erhöhung der Referendariats-Bezüge um 300 Euro monatlich ein. „Damit würden sich mehr Bewerber*innen zum Referendariat für Berlin entscheiden“, ist Erdmann überzeugt.

Auch von den voll ausgebildeten Lehrkräften mit abgeschlossenem Referendariat und zweitem Staatsexamen wandern nach GEW-Schätzungen noch einmal gut 20 Prozent in andere Bundesländer ab, da sie dort attraktivere Arbeitsbedingungen vorfinden. „In der aktuellen Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Länder hat das Land die Möglichkeit, die Gehälter der angestellten Lehrkräfte auch im Vergleich zu den Beamten aufzubessern und etwas für die Attraktivität des Lehrer*innenberufs zu tun“, forderte Erdmann.

Ganz generell leidet Berlin auch zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres 2018/19 weiter unter einem gravierenden Mangel an Lehrkräften. Unter den aktuell 965 Einstellungen zum Halbjahresbeginn liegt der Anteil der regulär ausgebildeten Laufbahnbewerber*innen nach Angaben von GEW-Personalräten mit 540 bei 56 Prozent. Dem stehen 280 Quereinsteiger*innen (29 Prozent) und 145 Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung (LovL, 15 Prozent) gegenüber. Die LovL haben oftmals kein Fach der Berliner Schule studiert. 87 Prozent von ihnen werden von der Senatsverwaltung nur befristet eingestellt. Auch das kritisiert die GEW BERLIN. 

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