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Nr. 24 / 2016Berliner Jugendämter tragen Trauer

02.06.2016

350 Berliner Sozialarbeiter*innen haben heute zum wiederholten Male für eine bessere Personalausstattung der Regionalen Sozialen Dienste (RSD) demonstriert. Hatten die Kolleg*innen in der Vergangenheit mit weißen Fahnen ihre Kapitulation vor der unerträglichen Arbeitsbelastung angezeigt, so zogen sie heute in schwarz von der Finanzverwaltung bis zum Roten Rathaus. Auf diese Weise demonstrierten sie ihre Trauer. „Trotz zahlreicher Versprechen der politisch Verantwortlichen haben sich die Bedingungen in den Regionalen Sozialen Diensten nicht verbessert. Der RSD leistet Krisenhilfe und Kinderschutz. Er unterstützt Familien, Kinder und Jugendliche bei Überforderung, Gefährdung und Konflikten. Für diese äußerst verantwortungsvolle Aufgabe gibt es viel zu wenig Mitarbeiter*innen“, bemängelte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN.

Der Berliner Senat hat zwar einen Maßnahmenplan zur nachhaltigen Sicherung der Aufgabenerfüllung der Berliner Jugendämter beschlossen, der unter anderem eine Fallzahlenbegrenzung vorsieht. Er setzt ihn bisher aber nicht um. Zusätzlich geschaffene Stellen erhalten auf Grund der wachsenden Bevölkerung lediglich den Status Quo. Weitere Stellen zur Reduzierung und Begrenzung der Fallzahlen gibt es nicht. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung ist der Krankenstand sehr hoch und viele Planstellen sind nicht besetzt.

Auch die schlechte Bezahlung der Sozialpädagog*innen im Land Berlin trägt zum eklatanten Personalnotstand bei. Im öffentlichen Dienst des Landes Berlin verdient ein/e Berufseinsteiger*in 289 Euro weniger als im öffentlichen Dienst der Kommunen. Die Gehaltsdifferenz kann bis auf 503 Euro anwachsen. Angesichts des Fachkräftemangels fällt es zunehmend schwer, die Stellen zu besetzen.

Tom Erdmann: „Das Land Berlin kennt die Probleme seit Jahr und Tag und schafft keine Abhilfe. Arbeitsbedingungen und Bezahlung in den Jugendämtern sind einfach unattraktiv. Aussitzen hilft hier wenig, denn jeden Tag befinden sich Kinder, Jugendliche und ihre Familien in Notsituationen und benötigen Hilfe. Die Ignoranz des Senats ist skandalös!“

Der GEW-Vorsitzende forderte die Senatsveraltung dazu auf, für ausreichend qualifizierte Sozialpädagog*innen im RSD zu sorgen. „Die Anzahl der Fälle muss begrenzt werden, damit sich die Mitarbeiter*innen genügend Zeit für die Menschen nehmen können. Der Beruf muss attraktiver werden. Dazu gehört auch eine angemessene Bezahlung. Die Einkommensschere zwischen Berlin und den Kommunen muss geschlossen werden – und zwar umgehend!“

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