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Nr. 12/2021Beschäftigte in der Jugend- und Eingliederungshilfe nicht vergessen

16.02.2021

In einem offenen Brief haben zahlreiche Betriebsräte der freien Träger der Jugend- und Eingliederungshilfe mehr Unterstützung vom Senat eingefordert. „Die Situation in den Einrichtungen der Jugend- und Eingliederungshilfe war bereits vor der Pandemie auf Grund von Fachkräftemangel und hohen Arbeitsbelastungen sehr angespannt. Wegen der nun notwendig gewordenen Schutzmaßnahmen ist die Belastung um ein Vielfaches größer“, schreibt Sven Leuschner, Leiter des Vorstandsbereichs Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit in dem Brief, der sich an Sozialsenatorin Elke Breitenbach und Bildungssenatorin Sandra Scheeres richtet.

Trotz Lockdown und unter schwierigsten Rahmenbedingungen versuchen die Beschäftigten in der Jugend- und Eingliederungshilfe alles, um ihre Klient*innen bestmöglich zu fördern und die sozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie abzufedern“, erklärte die Vorsitzende der GEW BERLIN, Doreen Siebernik. „Der Senat und die freien Träger müssen mehr tun, um den Beschäftigten ihre gerade in diesen Zeiten umso wichtigere Arbeit zu erleichtern.

Wir erwarten, dass die Arbeitgeber*innen ihrer Verantwortung zum Infektionsschutz nachkommen und alle notwendigen Schutzmaßnahmen ergreifen.Wir erwarten weiterhin, dass die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales und die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auch eine klare Position gegenüber den freien Trägern in der Jugend- und Eingliederungshilfe bezieht, diese zu entsprechenden Schutzmaßnahmen auffordert und bei der Umsetzung folgender Forderungen unterstützt“, heißt es in dem offenen Brief der Betriebsräte.

Die Betriebsräte fordern unter anderem, die Beschäftigten umfassend im Umgang mit COVID-19 zu schulen und ihnen Supervisionsangebote zu machen, da die psychischen Belastungen der Beschäftigten in diesem Bereich massiv gestiegen sind. Des Weiteren setzen sich die Betriebsräte dafür ein, dass alle pädagogisch Beschäftigten mit FFP2-Masken ausgestattet werden, umgehend einen Anspruch auf Impfung und mindestens wöchentliche (freiwillige) Schnelltests erhalten und die technische Ausstattung in den zuständigen Ämtern verbessert wird, zum Beispiel, um Hilfekonferenzen als Videokonferenz durchzuführen.

Eine aktuelle Studie der AOK bestätigt, dass Beschäftigte in Erziehungs- und Betreuungsberufen ein sehr hohes Infektionsrisiko tragen: Sie gehören in die Top 5 der Berufsgruppen, die zwischen März und Oktober 2020 am häufigsten wegen einer COVID-19-Infektion krankgeschrieben waren. Damit stehen die Kolleg*innen der Jugend- und Eingliederungshilfe ganz vorne auf der Liste der in Corona-Zeiten gefährlichsten Berufe.