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Nr. 21/2020Bildung gemeinsam verantworten – gerade in Krisenzeiten

13.08.2020

Ein breites Bündnis aus Eltern, Schüler*innen, Lehrkräften, Erzieher*innen und Schulleitungen ruft den Berliner Senat auf, die Schulen in ihrem Umgang mit der Corona-Krise nicht länger allein zu lassen. „Wir fordern Corona-Soforthilfen für unsere Schulen! Ohne eine bessere Ausstattung werden wir die Schulen nicht unbeschadet durch diese Krise steuern können“, erklärte ein Bündnis aus GEW BERLIN, Landeselternausschuss, Landesschüler*innenausschuss, Vertreter*innen der Schulleitungsverbände BISSS, BBB, VBS, Netzwerk Gemeinschaftsschule*, die Leiterin der Karlsgarten-Grundschule, eine Vertreterin des Bündnis Ganztag, eine koordinierende Erzieherin und die Vorsitzenden des Gesamtpersonalrats wie des Personalrats für die zentral verwalteten und berufsbildenden Schulen. GEW BERLIN und Landeselternausschuss hatten zu Gesprächen über einen Corona-Bildungspakt eingeladen, nachdem die Bildungssenatorin Gesprächsangebote über Monate ausgeschlagen hatte.

Wir haben hier in nur wenigen Tagen ein Treffen organisiert, an dem alle an Schule beteiligten Gruppen zusammengekommen sind, um auf Augenhöhe konstruktiv zu diskutieren, was unsere Schulen in der Corona-Pandemie am dringendsten brauchen. Das haben wir Schüler*innen uns schon lange von der Senatorin gewünscht. Umso ärgerlicher, dass Frau Scheeres heute nicht gekommen ist“, stellte Jonathan Helmert, Mitglied im Landesschüler*innenausschuss, im Anschluss an die Auftaktsitzung im GEW-Haus fest. Alle Anwesenden kritisierten deutlich den Kommunikationsstil der Senatorin und sehen sich in die Maßnahmen der Senatsverwaltung nicht ausreichend einbezogen.

Wir rufen Senatorin Scheeres dringend dazu auf, endlich mit uns zu sprechen und gemeinsam mit uns Lösungen zu finden. Wir, die Pädagog*innen, die Schulleitungen, die Schülerinnen und Schüler und die Eltern, wollen mitgestalten, wenn es um gute Bildung geht, jetzt und in der Zukunft“, sagte Landeselternvertreter Norman Heise. „Allein auf den jüngst eingerichteten Hygienebeirat zu verweisen, das wird die Probleme nicht lösen – es geht um ernsthafte Partizipation.“

Das Bündnis fordert Corona-Soforthilfen für die Berliner Schulen. „Eine Milliarde Euro an Soforthilfe müssen her, damit wir so schnell wie möglich Personal einstellen, zusätzliche Räume und digitale Infrastruktur schaffen und für echte Hygiene an den Schulen sorgen können. Die auf Grund des Corona-Virus dringend gebotene Verkleinerung der Lerngruppen ist unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht möglich. Wir fordern eine Einstellungsoffensive – und zwar unverzüglich!“, stellte Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW BERLIN fest. Der Senat muss alles dafür tun, dass unmittelbar mehr Personal für multiprofessionelle Teams eingestellt wird, um die Lerngruppen verkleinern und außerschulische Lernorte nutzen zu können. Zusätzliches Personal braucht es auch für den Ganztagsbereich. Die freien Träger der Jugendhilfe sollten hier stärker mitgedacht werden.

Wenn die Behörde Regelbetrieb für die Schulen beschließt, soll sie bitte auch selbst in Regelbetrieb arbeiten und für die Schulen und ihre Beschäftigten ansprechbar sein. Die Verwaltung hat hier eine Vorbildfunktion“, forderte Ronald Rahmig, Leiter des Oberstufenzentrums Kraftfahrzeugtechnik. Miriam Pech, Leiterin der Heinz-Brandt-Schule, ergänzte: „Wir waren uns heute einig, dass sich auch die Lernkonzepte ändern müssen: Wir brauchen Konzepte, die das formale Lernen auflösen und die Lehrpläne abspecken, hin zu kompetenzorientierten, kreativen und offenen Lernformen. Ganztägiges Lernen braucht mehr Aufmerksamkeit. Außerdem brauchen die Schulen den Freiraum, eigene Wege zu gehen, die zu ihren jeweiligen Lernkonzepten und der Schüler*innenschaft passen“.

Den dringenden Ausbau der digitalen Infrastruktur, mit Breitband, Endgeräten und IT-Betreuung an allen Schulen, forderte die Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der allgemeinbildenden Schulen, Marion Leibnitz. „Für die Digitalisierung braucht es klare und mitbestimmte Regeln für die Beschäftigten. Auch die Instandsetzung der Schulen muss dringend beschleunigt vorangetrieben und unter Hygienegesichtspunkten gedacht werden. Unsere Schulen brauchen mehr Waschbecken, zusätzliche Toiletten, zu öffnende Fenster und zweimal täglich eine Schulreinigung“, so Leibnitz.

Das Bündnis für einen Corona-Bildungspakt trifft sich erneut in 14 Tagen und will dann unter anderem die Reaktion der Senatsbildungsverwaltung bewerten.  

 

*Die Anwesenden stehen für Presseanfragen zur Verfügung. Auch Bildmaterial stellen wir Ihnen auf Nachfrage gern zur Verwendung zur Verfügung:

  • Doreen Siebernik (GEW BERLIN)
  • Tom Erdmann (GEW BERLIN)
  • Marion Leibnitz (Gesamtpersonalrat)
  • Martina Häberle (Personalrat der zentral verwalteten und berufsbildenden Schulen)
  • Karin Petzold (GEW BERLIN)
  • Norman Heise (Landeselternausschuss)
  • Daniela von Hoerschelmann (Landeselternausschuss)
  • Lena Werner (Landesschüler*innenausschuss, Schülerin am Friedrich-Ebert-Gymnasium)
  • Jonathan Helmert (Landesschüler*innenausschuss, Schüler am Händel-Gymnasium)
  • Robert Giese (Netzwerk Gemeinschaftsschule, Leiter Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule)
  • Miriam Pech (Vereinigung der Berliner ISS Schulleiterinnen und Schulleiter (BISSS), Leiterin Heinz-Brandt-Schule)
  • Gunilla Neukirchen (Vereinigung Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter in der GEW (VBS), Leiterin Beethoven Gymnasium)
  • Ronald Rahmig (Verein Berufliche Bildung in Berlin (BBB), Leiter Oberstufenzentrum Kraftfahrzeugtechnik Berlin)
  • Christine Mallon (Leiterin Karlsgarten-Grundschule Neukölln)
  • Elvira Kriebel (Der Paritätische, Bündnis Ganztag)
  • Annette Gossow-Narvaez (Koordinierende Erzieherin, Ikarus Grundschule)