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Nr. 30/2020Das Schweigen der Senatorin

22.10.2020

Die GEW BERLIN kritisiert das Vorgehen der Senatsbildungsverwaltung bei der Umsetzung des Corona-Stufenplans als viel zu zögerlich und intransparent. Mit ihrem Verweis auf die Zuständigkeit der bezirklichen Gesundheitsämter duckt sich die Senatsbildungsverwaltung aus der Verantwortung. „Der Senat hat die Verantwortung für die Bildung wie für den Gesundheitsschutz der Schüler*innen und der fast 50.000 Beschäftigten der Berliner Schulen. Ein Blick auf das Infektionsgeschehen in Berlin lässt keine Zweifel zu, dass wir längst nicht mehr im grünen Bereich des Corona-Stufenplans sind, der den Regelunterricht bei einem ´niedrigen Infektionsgeschehen´ vorsieht“, stellte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN fest. „Die Unsicherheit unter den Schüler*innen, Eltern und den Pädagog*innen, wie die Schulen am Montag wieder öffnen sollen, ist riesig. Das Schweigen der Senatorin bis heute vergrößert diese Sorgen umso mehr.

Die GEW BERLIN fordert eine umgehende Verkleinerung der Lerngruppen, um das Infektionsrisiko zu verringern. Laut eines Berichts im Tagesspiegel will die Senatsverwaltung heute verkünden, dass zumindest für die weiterführenden Schulen Maßnahmen aus der gelben Stufe gelten sollen. Dazu sagte Erdmann: „Es reicht nicht, einige Maßnahmen der gelben Warnstufe für ein mittleres Infektionsgeschehen vorzuziehen. Es ist besser, jetzt auf den Mix aus Präsenz- und Fernlernen umzusteigen als später Schulen wieder komplett schließen zu müssen.

Aus Sicht der GEW BERLIN muss ein solches Alternativszenario Abstriche bei den schulischen Angeboten bedeuten. „Die Bildungsverwaltung sollte Kernaufgaben festlegen und deutlich machen, dass im Parallelbetrieb nicht alles wie üblich vermittelt werden kann. Das ist für die Beschäftigten unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht leistbar. Auch darf eine Reduzierung des Unterrichts nicht dazu führen, dass die Gruppen sich am Nachmittag wieder mischen und die Mehrarbeit bei den Erzieher*innen hängen bleibt“, so Erdmanns Co-Vorsitzende Doreen Siebernik. Die GEW-Landesvorsitzende forderte eine Verständigung mit den Personalräten über die Arbeitszeiten beim Mix-Modell und auch für ausschließliches Distanzlernen.

Die GEW kritisiert das Fehlen konkreter Zahlen als Grenzwerte im Stufenplan, wie vom Robert-Koch-Institut vorgeschlagen. Außerdem wird bei den bezirklichen Gesundheitsämtern von personellen Kapazitäten ausgegangen, die es so nicht gibt. „Wir bezweifeln, dass jedes Gesundheitsamt alle seine rund 60 Schulen genauestens im Blick haben und individuelle Beurteilungen vornehmen kann. Daher darf der Senat nicht erst die Rückmeldungen aus den Gesundheitsämtern in der nächsten Woche abwarten. Es braucht jetzt Maßnahmen, die für alle Schulen gelten“, forderte Siebernik.