GEW - Berlin
Du bist hier:

Nr. 29 / 2011Der Blick auf den Einzelfall lohnt sich

14.09.2011

 Der positive Blick Senator Zöllners auf die Bildungssituation im Land Berlin, wie er ihn in seiner Presserklärung „Bildung hat in Berlin Priorität“ verdeutlicht, ist einseitig und blendet an vielen Stellen die besondere Situation in dieser Stadt oder auch im Einzelfall aus.

Hier einige Beispiele:

  • Gibt Berlin im Bundesdurchschnitt mehr Geld für Bildung aus als andere Bundesländer, so liegt auch Berlin etwa 2 Prozent unterhalb des Ausgabendurchschnitt der OECD Länder gemessen am Anteil des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Berlin investiert etwa 4,7 Prozent vom BIP, die OECD Länder liegen bei über 6 Prozent im Bereich der frühkindlichen Bildung und der Schule.
  • Ist die Versorgung mit Kitaplätzen auch gut, so haben die jüngsten Veröffentlichungen gezeigt, dass der Mangel, den einzelne Eltern bei der Suche nach einem Kitaplatz leidvoll erfahren, durchaus seine Berechtigung hat. Es fehlen in der Prognose 20.000 Plätze.
  • Am Punkt des Abbaus von sozialen Ungleichheiten rückt Zöllner die Zahl zum Übergang aufs Gymnasium ins Zentrum, verschweigt aber, dass sich die Zahlen der Abgänger ohne Schulabschluss, zum Beispiel im Bereich der MigrantInnen, stabil bei etwa einem Drittel dieser Gruppe hält und das schon seit Jahren.
  • Auch bei der Ausstattung der Schulen mit schwieriger Schülerschaft muss dringend nachgebessert werden. Behauptet Zöllner, dass diese Schulen nicht mit 100 Prozent sondern mit 160 Prozent Lehrerstunden ausgestattet werden, so ergibt eine Berechnung der Lehrerstundenzuweisung an diesen Schulen, auf der Grundlage der Zumessungsrichtlinien, nur um 120 Prozent. Und das auch nur, wenn 90 Prozent der SchülerInnen lernmittelbefreit sind und 90 Prozent der Kinder nichtdeutscher Herkunft sind.

Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der GEW BERLIN dazu: „Ja, auch die GEW BERLIN denkt, dass das Schlechtreden der Bildung in Berlin schädlich ist. Ein reines Erfolgslied anzustimmen ist aber genauso verfehlt. In Berlin hat sich Einiges bewegt in den letzten Jahren, aber das reicht eben nicht. Wichtig wäre, wenn ein Mangel erkannt ist, sofort zu reagieren und mit unterstützenden Maßnahmen und Personalmitteln zu helfen.

Beispiel hierfür sind die etwa 10 Integrierten Sekundarschulen, die wegen der geringen Veränderung ihres Schülerklientels mit Problemen zu kämpfen haben. Die Senatsverwaltung weiß davon, reagiert aber erst auf Hilferufe. Der Blick auf den Einzelfall würde helfen und ist das Gebot der Stunde. Beweis dafür sind auch die drei großen Bildungsdemonstrationen in diesem Jahr. Da haben sich Eltern, Schüler und Lehrkräfte Gehör verschafft für ihre Sorgen.

Berlin muss sich der besonderen Situation stellen - geprägt von einem hohen Anteil armer Menschen und all den Folgen, die damit zusammen hängen und das ist die Vergleichsbasis und der Hintergrund. Bayern hat eine völlig andere Ausgangslage. Deswegen wird Berlin auch nicht umhinkommen, noch mehr in Bildung zu investieren.“