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Nr. 35 / 2016Fortführung des Fachbeirats Inklusion ist dringend nötig

14.07.2016

Die GEW BERLIN spricht sich für die Fortführung des heute zum letzten Mal tagenden Fachbeirats Inklusion aus. „Die Umsetzung der inklusiven Schule sollte auch in der nächsten Legislaturperiode fachlich, wissenschaftlich und politisch durch einen Fachbeirat begleitet werden“, befand Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN und Mitglied im Fachbeirat. Er zog ein positives Fazit der bisherigen Arbeit. „Mit dem inklusiven Rahmenlehrplan sowie der Einrichtung von Beratungszentren und Schwerpunktschulen konnten bereits einige der Empfehlungen aus dem Jahr 2013 umgesetzt werden“, bilanzierte Erdmann.

Der GEW-Vorsitzende wies jedoch auch auf die noch nicht realisierten Empfehlungen des Fachbeirats hin und betonte, wie groß der Handlungsbedarf bei der Umsetzung der Inklusion noch sei. Das Hauptaugenmerkt muss nach Ansicht der GEW BERLIN auf der Verbesserung der Personalausstattung liegen. „Jede Schule muss mindestens zehn Prozent mehr Personal erhalten, damit die Stunden für die sonderpädagogische Förderung nicht länger zur Vertretung des Regelunterrichts verwendet werden“, forderte Erdmann. Neue Zahlen der Senatsbildungsverwaltung belegen, dass pro Woche rund 22.000 Förder- und Teilungsstunden aufgrund von Vertretung ausfallen. „Wenn die unterstützende Lehrkraft ständig für Vertretungsunterricht herangezogen wird, werden insbesondere die Schüler*innen mit Förderbedarf um ihr Recht auf Bildung gebracht. Inklusion kann nur gelingen, wenn die Schulen ausreichend Personal haben, um alle Kinder verlässlich zu fördern“, unterstrich Erdmann.

Die GEW BERLIN fordert, dass jeder Schule Stunden für die inklusive Schulentwicklung zur Verfügung gestellt werden. „Außerdem muss der Haushaltsvorbehalt im Schulgesetz gestrichen werden“, erklärte Erdmann, „denn das Recht der Kinder auf gemeinsamen Unterricht und individuelle Förderung darf nicht von der Haushaltslage abhängen“. Erdmann wünscht sich verbindliche Regelungen, damit sich alle Schulen zu inklusiven Schulen weiterentwickeln.

Die GEW BERLIN spricht sich zudem dafür aus, die pauschale verlässliche Grundausstattung für die Förderung in den Bereichen Lernen, emotionale-soziale Entwicklung und Sprache, die ab dem Schuljahr 2017/18 eingeführt werden soll, wissenschaftlich zu begleiten und zu evaluieren. Auch sollte eine unabhängige Beschwerdestelle zum Schutz vor Diskriminierung in der Berliner Schule eingerichtet werden.

Was die Zukunft des Fachbeirats angeht, so wünscht sich die GEW BERLIN eine Öffnung für weitere Mitglieder. Ausführlichen inhaltlichen Diskussionen sollte im Beirat mehr Raum gegeben werden. Dies könnte zum einen durch die Teilnahme der Fachbeiratsmitglieder an den Facharbeitsgruppen oder auch mehr Zwischensitzungen zu Einzelthemen ermöglicht werden.