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Für bessere Schule in Berlin- mehr Bildung von Anfang an

02.09.2011

Mehr Investitionen in die Bildung! Unter diesem Motto hat ein breites Bündnis aus SchülerInnen, Eltern sowie LehrerInnen und ErzieherInnen zu einer Demonstration am Samstag, dem 10. September, aufgerufen. Die Demonstration beginnt um 11.00 Uhr am Alexanderplatz. Die Abschlusskundgebung findet um 12.30 Uhr am Gendarmenmarkt statt. Und Tausende sollen kommen, um vor den Wahlen die politischen Parteien nachdrücklich daran zu erinnern, dass gute Bildung ein wesentliches Lebenselexier für Berlin ist.

Ein sozial und kulturell so vielschichtiges und differenziertes Gebilde wie Berlin kann sich nur als Gemeinschaftswesen politisch und wirtschaftlich erfolgreich entwickeln, wenn alle BürgerInnen ihre Chance auf Teilhabe bekommen. Ein wesentliches Element dafür ist die Existenz eines gut ausgebauten Bildungssystems – eines Systems, das sich als zusammenhängendes Ganzes versteht. Deshalb darf es auch keine unterschiedliche Gewichtung in der Bedeutung von vorschulischer und schulischer Bildung geben.

Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Reformschritte der letzten Jahre, die eine größere Chancengerechtigkeit zum Ziel haben.

Ihr Erfolg wird aber durch das Finanzdiktat behindert, das seit Jahren die Berliner Politik bestimmt – mit der Folge, dass der Widerspruch zwischen Absicht und Realität eklatant ist:

  • So ist es gut, dass die Kitas als Bildungseinrichtungen verstanden werden.

    Aber immer noch fehlen annähernd 1000 ErzieherInnen und mehrere Tausend Kita-Plätze, um den Anspruch einer qualifizierten vorschulischen Ausbildung erfüllen zu können.
     
  • So ist es gut, dass durch individuelles Lernen soziale Schranken und unterschiedliche Fähigkeiten als Bildungsbarrieren eingerissen und den SchülerInnen bestmögliche Abschlüsse ermöglicht werden sollen.

    Aber große Lerngruppen, fehlende FachlehrerInnen, eine unzureichende Vertretungsreserve und eine zu hohe Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte beeinträchtigen den Rahmen, in dem individuelles Lernen stattfinden kann.
     
  • So ist es gut, dass der Ganztagsbetrieb in den Grund- und Sekundarschulen eingeführt und auch auf die Gymnasien ausgeweitet wird.

    Aber es fehlen nicht nur Mensen, Bibliotheken sowie Lese- und Sozialräume, sondern auch ausreichende SozialarbeiterInnen-, ErzieherInnen- und Schulpsychologiestellen, um in den Schulen Lebenswelten zu ermöglichen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen Rechnung tragen. Hier ist um so mehr Abhilfe dringend notwendig, wenn sich die Berliner Bildung dem Ziel der Inklusion ernsthaft stellen will.
     
  • So ist es gut, dass einzelne Projekte der kulturellen Bildung gefördert werden können.

    Aber der alltägliche Unterricht in Musik und Kunst muss in der Breite während der gesamten Schulzeit gestärkt werden. Kürzungen, wie zur Zeit beim Fach Musik vollzogen, schaden dem Ziel einer ganzheitlichen Bildung.


Wer von einem Bildungs- und Wissenschaftsstandort Berlin und von einer Bildungsrepublik Deutschland spricht, muss auch die praktische Einsicht folgen lassen: Mit Kostenneutralität und Einsparungen im Bildungswesen werden diese Perspektiven zu Wolkenkuckucksheimen.

Wenn es um die Zukunft Berlins und seiner Jugend geht, ist Bescheidenheit fehl am Platze. Angesichts der Ziele stellt sie nur eine Vergeudung von Geld und Arbeitskraft dar. Das kann und sollte sich Berlin nicht leisten

Deshalb sagen wir bereits vor den Wahlen, was wir von den Politikern nach den Wahlen erwarten:
Mehr Investitionen in das Berliner Bildungswesen, damit die begonnen Reformen entsprechend ihren Zielen auch umgesetzt werden können.

 

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