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Nr. 47 / 2017Gemeinschaftsschulen sehen sich durch Abschlüsse bestätigt

17.11.2017

Im vergangenen Schuljahr sind deutlich weniger Schüler*innen an den Berliner Gemeinschaftsschulen durch die kombinierten Prüfungen zur erweiterten Berufsbildungsreife und zum mittleren Schulabschluss (eBBR/MSA) gefallen als im Vorjahr. Die Durchfallquote sank von 15 auf 10 Prozent, während sie an den Integrierten Sekundarschulen zuletzt bei 11 Prozent gelegen hatte. Die Gemeinschaftsschulen fühlen sich durch diese Ergebnisse in ihrer Arbeit bestätigt.

67 Prozent der geprüften 1.762 Schüler*innen an den Gemeinschaftsschulen schafften den mittleren Schulabschluss, 23 Prozent die erweiterte Berufsbildungsreife. Die Werte für 2017 haben die Schulleitungen im Netzwerk Gemeinschaftsschule des Verbandes für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V. der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule (GGG) zusammengetragen.

„Den Gemeinschaftsschulen ist es gelungen, trotz schwieriger Ausgangslage gute Ergebnisse zu erzielen. Natürlich kann es uns nicht zufriedenstellen, dass jede*r zehnte Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlässt. Aber keiner anderen Schulform gelingt es so gut wie den Gemeinschaftsschulen, den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln“, erklärte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN.

Robert Giese, Sprecher des Netzwerks Gemeinschaftsschule in der GGG Berlin und Schulleiter der Fritz-Karsen-Schule wies darauf hin, dass an Gemeinschaftsschulen wesentlich mehr Kinder aus wirtschaftlich armen Familien und Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf lernten. „An allen Gemeinschaftsschulen lernen Kinder und Jugendliche bereits von Anfang an, dass Vielfalt stark macht und Lernen weit mehr ist als nur die Vermittlung von Fachwissen. Wir stellen Inklusion nicht mehr in Frage und leisten insgesamt einen wichtigen Beitrag zur Schulstrukturreform. Die Gemeinschaftsschule ist die Schulform der Zukunft“, sagte Giese.

GEW BERLIN und GGG bekräftigen ihre Forderung, dass möglichst alle neuen Berliner Schulen als Gemeinschaftsschulen geplant und gebaut werden müssen. Erdmann rief den Berliner Senat auf, die Beschäftigten an den Gemeinschaftsschulen besser zu unterstützen: „Viele Kolleg*innen arbeiten weit über ihre Belastungsgrenzen hinaus. Dafür brauchen sie Entlastung an anderer Stelle".

Hintergrund:
Die Schüler*innen der Gemeinschaftsschulen, die in diesem Jahr ihre Prüfungen abgelegt haben, sind erstmalig solche, die unter veränderten Rahmenbedingungen im Jahr 2012 neu in die siebten Klassen aufgenommen wurden. Im Gegensatz zu den Integrierten Sekundarschulen dürfen die Gemeinschaftsschulen ihre neuen Schüler*innen seitdem nicht mehr ausschließlich nach dem Notendurchschnitt der Grundschulzeugnisse auswählen. Während die Gymnasien und einige der Integrierten Sekundarschulen, insbesondere jene mit eigener Oberstufe, ihre Schüler*innen nach einer Bestenauslese auswählen, nehmen alle Gemeinschaftsschulen bewusst auch leistungsschwächere Kinder auf. Unter den 60 Prozent der Schüler*innen, die die Schule nach Eignung auswählen darf, muss ein Viertel mit einem Notendurchschnitt von 3,3 und schlechter aufgenommen werden.

An Gemeinschaftsschulen lernen 8,6 Prozent Kinder mit Förderbedarf – an Integrierten Sekundarschulen sind es mit 4,4 Prozent nur knapp halb so viele. Auch der Anteil von Kindern aus Familien, die von der Zuzahlung zu Lernmitteln befreit sind, ist mit über 41 Prozent höher als an den Integrierten Sekundarschulen mit durchschnittlich 36 Prozent. An den Gymnasien ist deren Anteil weit geringer.

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