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Nr. 37 / 2015GEW BERLIN warnt vor Aufweichung der Schulpflicht

18.11.2015

Über 1.000 geflüchtete Kinder auf dem Tempelhofer Feld sollen nach Plänen des Senats nur noch in „schulähnlichen Bildungseinrichtungen" unterrichtet werden

In Traglufthallen und Hangars des Tempelhofer Feldes sollen weit mehr als 5.000 Geflüchtete vorläufig eine Unterkunft finden. Unter ihnen sind über 1.000 schulpflichtige Kinder und Jugendliche. Die Plätze in den umliegenden Schulen reichen nicht mehr aus, um für sie weitere Willkommensklassen einzurichten. Nach Informationen der GEW BERLIN plant der Senat für diese Kinder nun nur noch „schulähnliche Bildungseinrichtungen“, bis Plätze an Schulen gefunden werden. Ein Freier Träger soll den Betrieb dieser Bildungseinrichtungen übernehmen.

Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN: „Für über 1.000 geflüchtete Kinder auf dem Tempelhofer Feld fehlen Ideen und Konzepte für einen verlässlichen Schulbesuch. Die uns jetzt bekannt gewordenen Planungen des Senats verstoßen gegen die Schulpflicht und gegen Paragraph 28 der UN-Kinderrechtskonvention, der das Recht auf Besuch der Grundschule für alle vorsieht.“

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft hat bereits große Anstrengungen unternommen, um zeitnah den Schulbesuch zu organisieren und zu sichern. Erdmann hierzu weiter: „Bisher ist Berlin ein Vorbild für andere Bundesländer, in denen die Kinder bis zu einem halben Jahr auf einen Schulplatz warten müssen. Diese Willkommenskultur ist ein Aushängeschild unserer Stadt. Jetzt erst recht ist es umso wertvoller, an dieser Willkommenskultur festzuhalten.“

Doreen Siebernik, Co-Vorsitzende der GEW BERLIN: „Die Fläche um den ehemaligen Flughafen Tempelhof wird immer mehr zu einer Wohnstadt in der Stadt. Das trägt nicht zur Integration der Menschen bei. Fluchterfahrungen sind ein großer biografischer Bruch und bringen für jeden Einzelnen riesige Stressbelastungen mit sich. Die wichtigste bildungspolitische Aufgabe kann es in dieser Situation nur sein, so schnell wie möglich ein stabiles Umfeld und eine solidarische Umgebung zu schaffen. Dazu gehören gut ausgebildete Pädagog*innen und der verlässliche Besuch einer Schule. Die neusten Planungen werden unsere Debatten bestimmen. Direkt heute Abend werden wir uns mit vielen Fachkräften zum Thema Willkommensklassen verständigen.“

Erdmann abschließend: „Berlin ist eine wachsende Stadt. Diese Entwicklung war lange bekannt und hätte sich längst auch in der Planung und im Bau neuer Schulen niederschlagen müssen. Hier ist viel zu wenig passiert. Der Senat muss nun alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Kindern einen geregelten Schulbesuch zu ermöglichen. Mit Bussen könnten u.a. auch entferntere Schulstandorte erreicht werden. Auch muss der Senat im Interesse der Kinder mehr von seiner Möglichkeit Gebrauch machen, tatsächlichen Leerstand zu beschlagnahmen.“

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