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Nr. 22 / 2013GEW sieht in vielen Maßnahmen eine weitere Verschlechterung

22.04.2013

Bildungssenatorin Scheeres hat gemeinsam mit dem Finanzsenator Dr. Ulrich Nußbaum Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Lehrer/- innenberufes vorgestellt.  

  1. Der Senat sichert eine attraktive Bezahlung für angestellte Lehrerinnen und Lehrer in Berlin
    Dazu erklärt Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW BERLIN: „Die Tariferhöhung haben sich die Beschäftigten im öffentlichen Dienst durch einen langen Arbeitskampf erstritten. Dem Senat war klar, dass die Ergebnisse der Tarifgemeinschaft der Länder nach Rückkehr des Landes Berlins in die TdL auf alle Beschäftigten übertragen werden müssen. Dies jetzt als besonderen Bonus herauszustellen, ist unlauter. Letztlich klafft noch immer eine Lücke von zwei Prozent im Entgeltniveau.“
  2. Der Senat gewährt die Erfahrungsstufe 5 als Zulage ab sofort unwiderruflich!
    Doreen Siebernik: „Die Forderungen der jungen Lehrkräfte sind klar. Sie wollen eine tariflich abgesicherte bessere Bezahlung. Die jetzt angedachten Regelungen treffen auch nur die Lehrkräfte mit voller wissenschaftlicher Ausbildung. Alle anderen bleiben wieder außen vor. Auch wenn die Befürchtungen der jungen Lehrkräften vor Streichung dieser Zulage genommen sind, so ist klar: Unsere Forderungen wurden nicht erfüllt. Wir fordern weiterhin eine tarifliche Regelung, die alle Lehrkräfte erreicht.“
  3. Mehr Flexibilität beim Abbau der Lebensarbeitszeitkonten
    Die bis zum 31. Juli 2014 maximal 55 angesparten Tage auf den Arbeitszeitkonten (AZK) können in drei wählbaren Modellen abgegolten werden. Die Vorsitzenden der GEW BERLIN dazu: „Diese Regelung entspricht dem Ergebnis unserer Gespräche mit dem Senat zum Thema für den Punkt Rückzahlung der angesparten AZK-Tage. Offen bleibt aber die Höhe. So ist zu vermuten, dass die letztendlich in der Arbeitszeitverordnung getroffenen Ausgleichsmaßnahmen hinter der mit der GEW besprochenen Kompensationsregelung zurückfallen. Das wäre fatal.“
  4. Altersgerechtes Arbeiten durch Wiedereinführung der Altersermäßigung
    Die GEW begrüßt die Wiedereinführung der Altersermäßigung und die Beendigung der Sonderstellung im Vergleich zu anderen Bundesländern. Aber schon das macht deutlich, dass hier nur nachvollzogen wird, was in anderen Ländern längst Regelung ist. Die Berliner Lehrkräfte werden das nicht honorieren, denn es stellt keinen Ausgleich für die Lebensarbeitszeitkontotage dar - ganz im Gegenteil: Sie zahlen aus eigener Tasche eine Regelung, die in anderen Ländern auch ohne Kuhhandel gültig ist.
  5. Erhalt von zwei flexiblen Tagen, Freistellung für alle Lehrkräfte
    Zu den flexiblen freien Tagen für Lehrkräfte wird es unterschiedliche Meinungen geben. Natürlich sind Lehrkräfte froh, wenn sie Flexibilität gewinnen und auch mal in Ruhe zu einer Hochzeit einer Freundin fahren können. Klar ist aber auch, dass es in den Schulen zu vermehrter Unruhe führt und für alle Lehrkräfte zu Mehrarbeit, da ja vertreten werden muss.
  6. Systematische Personalentwicklung und feste Fortbildungstage
    Wir schließen uns der Behörde an, dass es Fortbildungen geben muss in Zeiten steter Veränderungsprozesse in Schulen. Gültig ist aber derzeit die Allgemeine Fortbildungsverpflichtung für Lehrkräfte, die nicht an festgeschriebene Zeiten gebunden ist. Außerdem betrachtet man die Vergangenheit zum Wegfall der zwei Tage im Jahr 2003, so werden die Lehrkräfte sehr emotional und wütend auf diese Arbeitszeitverlängerung von zwei Tagen reagieren. Sie wurden 2003 zur Kompensation der Arbeitszeitverlängerung genutzt - diese wird jetzt Realität. Diese Kröte sollen sie zusätzlich schlucken.
  7. Gleichberechtigter Zugang auch für angestellte Berliner Lehrkräfte zum Auslandsschuldienst
    Den gleichberechtigten Zugang von angestellten Lehrkräften begrüßt die GEW. Das trifft aber nur eine kleine Gruppe.
  8. Verbesserung Berufseingangsphase und berufsbegleitender Vorbereitungsdienst
    Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der GEW BERLIN erklärt zu diesem Punkt: „Wir begrüßen Maßnahmen für den erfolgreichen Berufseinstieg. Allerdings müssen die Kolleginnen und Kollegen dafür freigestellt werden. Mit bis zu 28 Unterrichtsstunden sind gerade Berufseinsteiger/- innen voll ausgelastet. Insofern verpufft der gute Gedanke.
    Zum berufsbegleitenden Referendariat zeigen alle Erkenntnisse, dass die Belastungen zu hoch sind und das Lernen im Referendariat verhindern. Die beruflich sichere Perspektive zu Zeiten absoluten Lehrkräftemangels als besonderes Angebot zu verkaufen, entlarvt sich selbst.“

Das Fazit der GEW fällt nüchtern aus. Doreen Siebernik fasst die Einschätzung wie folgt zusammen: „Leider können wir kein positives Fazit ziehen. Die Bemühungen der Behörde werden verpuffen, denn es treffen wesentlich mehr Kolleginnen und Kollegen die Nachteile dieser Regelungen. Geradezu empörend ist es, dass unter dem Titel ‚Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerinnen- und Lehrerberufs‘ erneut eine Arbeitszeitverlängerung für die Kolleginnen und Kollegen in Form der zusätzlichen Präsenztage einseitig verfügt werden soll. Dies gilt auf Grund der gültigen Arbeitszeitverordnung auch für die angestellten Lehrkräfte. Somit zeigt sich erneut, wie berechtigt die Forderungen der Angestellten nach tarifvertraglichen Regelungen weiterhin sind.“

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