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Nr. 15 / 2019Inklusion muss endlich Normalität sein

25.03.2019

Zum zehnjährigen Jubiläum der UN-Behindertenrechtskonvention fordert die GEW BERLIN, dass alle Schulen eine Ausstattung erhalten, mit der sie allen Schüler*innen gerecht werden können. „Berlin ist verpflichtet, Menschen mit Behinderungen in das allgemeine Bildungssystem zu integrieren. Dafür müssen die Schulen aber auch die personelle, sächliche und organisatorische Ausstattung erhalten“, forderte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann.

„Berlin hat in den vergangenen zehn Jahren wichtige Impulse der Behindertenrechtskonvention aufgegriffen, aber noch einen weiten Weg zur inklusiven Schule vor sich“, befand Erdmann. Positiv ist, dass die Förderung von Kindern mit Beeinträchtigungen heute vorrangig im gemeinsamen Unterricht mit Kindern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf erfolgt. Über 65 Prozent der Schüler*innen mit Förderbedarf sind bereits an den regulären Schulen. Auch der lang geforderte Rechtsanspruch von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf den Besuch einer Regelschule wurde im vor Kurzem geänderten Schulgesetz explizit ausformuliert. (§ 37 Schulgesetz). „Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung inklusive Schule. Leider dürfen Schulen aber immer noch Schüler*innen abweisen, wenn ihnen die Ressourcen fehlen. Dieser Vorbehalt sollte aufgelöst werden, natürlich verbunden mit der Maßgabe, dass alle Schulen die für Inklusion notwendige Ausstattung erhalten“, forderte Erdmann.

Auch der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule ist eine Baustelle. An Gymnasien werden nur sehr wenige Kinder mit Beeinträchtigungen unterrichtet. „Bei der Leistungsbewertung hört das inklusive Denken oft auf“, konstatierte Karin Petzold, Leiterin des Vorstandsbereiches Schule der GEW BERLIN. Petzold forderte: „Die Messung und Bewertung von Leistung in der Schule muss von Grund auf anders gedacht werden. Dieser Aufgabe müssen sich alle Schulformen stellen.“

Die Schulexpertin führte aus: „Die bisherigen Bemühungen und Veränderungen bleiben oft in einer Logik verhaftet, die eine bestimmte Norm konstruiert und zu oft den Blick auf die Defizite lenkt; auf das, was Menschen mit Behinderung nicht können. Natürlich sind Hilfsmittel, Rampen und Assistenz nötig. Aber es muss darum gehen, dass Inklusion Normalität ist“, erläuterte Petzold.

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