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Nr. 15 / 2017Jugendämter weiter in Not – viele Stellen bleiben unbesetzt

03.03.2017

Nach dem Abschluss der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder besteht weiter dringender Handlungsbedarf bei der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen in den Regionalen Sozialen Diensten (RSD) der Berliner Jugendämter. „Sozialarbeiter*innen in Berliner Jugendämtern werden nach wie vor deutlich schlechter bezahlt als in anderen Bundesländern“, betonte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN. „Weil die Stadt jahrelang einen Kahlschlag in der Jugendhilfe betrieben hat, ist zudem ein untragbarer Personalmangel entstanden.“

„Anstatt bei Schulversäumnis und Gewaltvorfällen frühzeitig zu intervenieren und mit Hilfen zur Erziehung das weitere Abrutschen von Kindern und Jugendlichen zu verhindern, kann mancher RSD nur noch in extremen Notfällen und oft viel zu spät agieren. Das trifft besonders die Schulen im sozialen Brennpunkt“, erklärte Nuri Kiefer, Schulleiter der Hannah-Höch-Gemeinschaftsschule und Leiter des Vorstandbereiches Schule der GEW BERLIN. „Wir Pädagog*innen fühlen uns alleingelassen mit den vielfältigen Problemen, die wir in der Schule bewältigen müssen“, stellte Kiefer fest.

Andreas Kraft, Leiter des Vorstandbereiches Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW BERLIN, wies auf die schlechten Arbeitsbedingungen hin: „Manche Sozialarbeiter*innen im RSD müssen bis zu 120 Fälle bearbeiten. Unter diesen Umständen sind die Arbeitsbelastung und der Krankenstand dauerhaft viel zu hoch. Können junge Mitarbeiter*innen gewonnen werden, werfen diese oft nach kurzer Zeit das Handtuch und suchen sich eine attraktivere Stelle.“

Beim RSD sind rund 100 Stellen unbesetzt. Je nach Bezirk sind es zwischen 6 und 20 Prozent der Stellen. Die GEW BERLIN appelliert daher an den rot-rot-grünen Senat, dringend zusätzliche Anreize zu schaffen, damit die offenen Stellen in den Regionalen Sozialen Diensten besetzt werden können. „Der Tarifvertrag der Länder lässt länderspezifischen Zulagen zu, wenn in einzelnen Bereichen ein besonderer Personalmangel besteht. Das ist in den Berliner Jugendämtern eindeutig der Fall“, unterstrich Erdmann.

Hintergrund:

Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen im RSD sind im TV-L in der Entgeltgruppe 9 eingruppiert und erhalten in der Eingangsstufe künftig 2.863 Euro brutto. Das sind 186 Euro weniger als ihre Kolleg*innen in anderen Bundesländern erhalten, die nach dem TVöD bezahlt werden.

Der Berliner Senat hat einen Maßnahmenplan zur nachhaltigen Sicherung der Aufgabenerfüllung der Berliner Jugendämter beschlossen, der unter anderem eine Fallzahlenbegrenzung von 65 Fällen pro Vollzeitstelle vorsieht und die dafür notwendigen Stellen bewilligt. Die bisher zusätzlich geschaffenen Stellen erhalten auf Grund der wachsenden Bevölkerung und der Betreuung von Flüchtlingskindern lediglich den Status Quo. Neue Stellen können oftmals nicht besetzt werden, weil es an geeigneten Bewerber*innen mangelt.