GEW - Berlin
Du bist hier:

Nr. 13 / 2011Kinder erlernen Sprache durch sprechen - das Qualitätspaket geht an dieser Erkenntnis vorbei

09.05.2011

Die GEW BERLIN hat die von Bildungssenator Zöllner für den Bereich der Kindertagesstätten vorgesehen Maßnahmen mit Bedauern zur Kenntnis genommen, da sie die in den letzten Monaten geführte Fachdiskussion über die ersten Vorschläge des Senators zum Qualitätspaket kaum aufnimmt und berücksichtigt.

Senator Zöllner will mit dem Qualitätspaket für die Kitas vor allem die Sprachkompetenz der Kinder verbessern. Die GEW BERLIN begrüßt dieses Anliegen ausdrücklich, denn Sprache ist der Schlüssel zu Bildung und gesellschaftlicher Integration. Allerdings sind nicht alle beabsichtigten Maßnahmen geeignet, die angestrebte Zielsetzung zu erreichen.

Die Sprachtests für Kinder unter 4 Jahren lehnt die GEW BERLIN aber ab. Sprachentwicklung kann durch Sprachlerntagebücher besser dokumentiert werden, als durch punktuelle Testverfahren. Kleine Kinder werden in künstlich geschaffenen Situationen kaum unbefangen fremden Menschen gegenüber reagieren und sprechen. Ein weiteres Testverfahren vor der Einschulung leistet ebenfalls keinen Beitrag zur Sprachförderung, sondern bindet die für die Förderung notwendigen Ressourcen.  Die wissenschaftliche Begleitung an der Entwicklung ändert daran erst mal nichts.

Positiv ist es, den frühen Kitabesuch zu fördern. Problematisch ist es aus Sicht der GEW BERLIN, die Eltern mit Ordnungswidrigkeiten und Bußgeldern zu belegen, wenn sie ihr Kind nicht zur Sprachförderung oder zum Test in die Kita schicken. Soll das Kind mit der Polizei in die Einrichtung gebracht werden?

Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der GEW BERLIN: “Wenn Senator Zöllner tatsächlich die Sprachkompetenz der Kinder verbessern will, muss er auch bereit sein, die dafür erforderlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Sprachförderung in der Kita gelingt durch eine alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbegleitung. Sprache wird durch sprechen gelernt - nicht durch Testverfahren.“

Die GEW BERLIN empfiehlt eine Ausweitung des Programms „Offensive frühe Bildung – Schwerpunktkitas Sprache und Integration“ des Bundesministeriums für Familie. Dieses Programm investiert direkt in zusätzliches Personal, das die Sprachförderung von Kindern unterstützend begleitet. Das Land Berlin sollte außerdem den Kitabesuch fördern. Allen Kindern sollte unabhängig von der Berufstätigkeit ihrer Eltern ein Ganztagsplatz in einer Kita zur Verfügung gestellt werden. Dringend geboten ist es, in ausreichendem Maße Kitaplätze zur Verfügung zu stellen und weitere Maßnahmen gegen den ErzieherInnenmangel zu ergreifen.

Ansprechpartnerin : Christiane Weißhoff, Tel.: 0171 20002763

Zurück