GEW - Berlin
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Nr. 01 / 2011Lehrkräfteausstattung: Das Gewürge geht weiter

21.01.2011

Die vollmundigen Ankündigungen von Bildungssenator Zöllner, die Schulen punktgenau mit den passenden Lehrkräften auszustatten, werden sich auch für das zweite Schulhalbjahr 2010/11 so nicht umsetzen lassen. Bei den gerade abgeschlossenen „Casting“-Verfahren konnten zahlreiche Anforderungen der Schulen nicht befriedigt werden. Im Grundschulbereich wurden zehn Lehrkräfte mit dem Fach Sport benötigt. Es gab nur noch fünf; die restlichen Schulleitungen mussten mit dem Fach Deutsch vorlieb nehmen. Bei Mathematik und Physik konnten in der Studienratslaufbahn von 33 Stellen nur 19 besetzt werden, in der Lehrerlaufbahn von 14 nur 5. Bei anderen Anforderungen (Studienräte Chemie, Lehrerinnen mit den Wahlfächern Englisch und Deutsch, Lehrerinnen mit dem einen Wahlfach Musik bzw. Englisch) reichte die Anzahl der anwesenden Bewerber/innen genau aus; jede Absage wird hier eine Lücke reißen. Es ist jetzt schon absehbar, dass die Schulleitungen gezwungen sein werden, die Lücken mit PKB-Kräften zu füllen und dabei auch auf Menschen ohne ausreichende pädagogische Qualifikation zurückgreifen zu müssen.

Die Vorsitzende der GEW BERLIN, Rose-Marie Seggelke: „Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort. Ganz offensichtlich hat die Ankündigung von Herrn Zöllner, Referendaren in Mangelfächern ein frühzeitiges Einstellungsangebot zu machen, nicht zu einer Entspannung der Lage geführt. Berlin ist und bleibt für viele Lehrkräfte kein attraktiver Arbeitsplatz. Solange die finanzielle Benachteiligung und die strukturelle Unterausstattung bestehen bleiben, wird sich daran auch nichts ändern.“

Die Zöllnersche Politik, dass vor einer Neueinstellung erst einmal Umsetzungen vorgenommen werden, da keine Schule mehr als 100 Prozent haben darf, führt zur Zeit zu dem üblichen Umsetzungskarussell. In der Allgemeinbildung werden ca. 20 Kolleg/innen umgesetzt; im Bereich der zentral verwalteten und berufsbildenden Schulen trifft es 54 Lehrkräfte.

Rose-Marie Seggelke: „Natürlich müssen größere Schwankungen ausgeglichen werden. Aber alle Schulpraktiker wissen, dass die Zahlen wenig aussagekräftig sind - Schwangerschaften oder Krankheiten lassen sich nicht planen; Dienstaustritte aus Altersgründen im nächsten Halbjahr werden überhaupt nicht in die Berechnungen einbezogen. Eine Schule, die heute nach den Zöllnerschen Vorgaben ‚überausgestattet’ ist, kann kurze Zeit später schon Bedarfe haben. Das halbjährliche Umsetzungskarussell hat nichts mit pädagogischen Erwägungen zu tun; die einzige Grundlage ist die Excel-Tabelle. Langfristige Schulentwicklung in Ruhe und Kontinuität ist so nicht machbar.“