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Nr. 50 / 2013Ranking beim Abitur jetzt perfekt

17.10.2013

Was die Senatsverwaltung heute harmlos als „Erstmalige Online-Veröffentlichung schulbezogener Abiturdaten“ veröffentlicht, macht das Ranking im Bereich der Schulen mit gymnasialer Oberstufe perfekt. Beleuchtet werden sollen zwar nicht nur die Abiturdurchschnittsnoten allein, sondern auch die Angebote und Ergebnisse von Leistungskursen einer Schule, die damit Rückschlüsse der Eltern auf Erfolg oder Misserfolg im Kontext mit dem Schulprofil zulassen sollen, aber die Möglichkeiten der Rückschlüsse von Ursachen bleiben vielfältig.

Offen bleiben zum Beispiel die Frage der Leistungsstände der SchülerInnen bei Aufnahme in die Schule und damit die Perspektive auf die Leistungsentwicklung beziehungsweise die wirklich stattfindende individuelle Förderung und Unterstützung der SchülerInnen bis hin zum Abitur. Im Gegenzug dazu fehlt der Blick auf die Selektionsmechanismen von Schulen, die schlechten, schwierigen SchülerInnen eher loswerden wollen und sich so der Herausforderung entziehen, alle auf ihrem Weg mitzunehmen, zu stärken und zum Erfolg zu führen. Verzerrt wird das Bild auch durch die Ergebnisse an grundständigen Gymnasien oder mit grundständigen Zügen. Diese Schulen haben von vornherein, was das kognitive Leistungsniveau betrifft, die „Besten“ und erzielen so bessere Ergebnisse ohne den Blick auf die individuelle oder schulische Leistungsförderung und -entwicklung.

Naheliegend ist darüber hinaus, dass sich die Entscheidung der Eltern für oder gegen eine weiterführende Schule auf die Abiturdurchschnittsnote reduziert, was die Nachfrage von Schulen stark beeinflusst und das Ranking unter den Schulen verschärft .

Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der GEW BERLIN: „Schon im September hat die GEW sich mit einem Brief an die Senatorin gewendet und gegen diese bis dahin nur angedachte Form der Verschärfung von Konkurrenzmechanismen durch die Veröffentlichung der Abiturdurchschnittsnoten zwischen den Schulen protestiert. Konkurrenz hilft den Schulen nicht in ihrer Entwicklung und würdigt vor allem die Leistung der Schulen nicht, die es mit schwierigeren Ausgangslagen zu tun haben, die ihre Schüler und Schülerinnen halten und nicht aussortieren und trotz allem die weitaus Meisten zum Erfolg führen. Offen bleibt, der konkrete Lernzuwachs des Einzelnen, aber auch aller in der Schule. Im Zentrum der Entscheidung von Eltern sollten die realen Angebote von Schulen stehen in Hinblick auf das Schulprofil, auf die Herausbildung ganzheitlicher Persönlichkeiten und auf die Unterstützung und Förderung von Schülerinnen und Schülern. Das tritt bei der Schulwahl durch die Veröffentlichung von Abiturdurchschnittsnoten voraussehbar in den Hintergrund. Das ist der falsche Weg.“