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Nr. 43 / 2016Senat darf Verantwortung nicht auf Lehrkräfte abwälzen

28.10.2016

Die GEW BERLIN zeigt sich verärgert über die Reaktion von Bildungssenatorin Sandra Scheeres auf die vorliegenden Leistungsvergleichsstudien. Scheeres hatte die Lehrkräfte aufgefordert, Konsequenzen aus den Ergebnissen von „Vera 8“ zu ziehen. „Die Senatorin versucht, ihre Verantwortung auf uns Lehrkräfte abzuwälzen. Sie sollte sich stattdessen Gedanken über die Rahmenbedingungen und eine bessere Personalausstattung machen. Die Lehrkräfte geben ihr Bestes, aber viele von ihnen sind an der Belastungsgrenze“, so Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN. Er wies darauf hin, dass die zahlreichen Schulreformen der letzten Jahre ohne ausreichende Ressourcen umgesetzt werden mussten.

Die GEW BERLIN erwartet vom künftigen Senat, selbst Konsequenzen zu ziehen. Anstatt über inklusionsfeindliche Instrumente wie Vergleichsarbeiten immer mehr Druck auf die Pädagog*innen auszuüben, fordert die GEW BERLIN eine gezielte Unterstützung der Schulen. „Es fehlt an dem pädagogischen Personal für die individuelle Förderung – insbesondere in den Brennpunktschulen, in denen es besonders nötig ist“, erklärte Erdmann.

Aus Sicht der GEW ist es kontraproduktiv, dass sich die Bildungspolitik mit immer neuen Vergleichsstudien beschäftigt. „Seit Jahren sprechen wir uns gegen die Vergleichsarbeiten aus, weil sie eine zusätzliche Belastung für die Schüler*innen und Lehrkräfte darstellen und konkrete strukturelle Konsequenzen ausbleiben. Fallen die Ergebnisse schlecht aus, wird reflexartig der Druck auf die Pädagog*innen und die Schulen erhöht, die Ursachen jedoch werden nicht analysiert“, erläuterte Nuri Kiefer, Leiter des Vorstandsbereichs Schule in der GEW BERLIN.

Kiefer stellte die Aussagekraft derartiger Vergleichsstudien grundsätzlich in Frage. „Die Vergleichsarbeiten wollen gleich machen, was nicht gleich ist. Berlin zeichnet sich durch eine besonders heterogene Schüler*innenschaft aus. Die Kinderarmut liegt bei über 30 Prozent, an über 200 Schulen bezieht mehr als die Hälfte der Eltern Transferleistungen“, erläuterte Kiefer. Auch die Quote der in die Regelschulen integrierten Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist in Berlin mit etwa 60 Prozent sehr hoch. Das gleiche gilt für die Anzahl der Schüler*innen mit nicht-deutscher Herkunftssprache.

Kiefer wies abschließend darauf hin, dass Berlin mit seinen Gemeinschaftsschulen bereits über eine Schulform verfügt, die unabhängig von sozialer Herkunft und Förderbedarf hohe Lernzuwächse ermöglicht. „Die Gemeinschaftsschulen sind ein Erfolgsmodell, das unbedingt gefördert und ausgebaut gehört“, so Kiefer.

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