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Nr. 2/2020Zehn Jahre Schulreform: Wir können uns nicht ausruhen!

22.01.2020

Zum zehnjährigen Jubiläum der Schulstrukturreform fordert die GEW BERLIN, weitere Reformschritte einzuleiten, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erzielen. „Die Reform war richtig und wichtig. Trotzdem sind viele Ungleichheiten im Berliner Bildungssystem auch nach zehn Jahren nicht beseitigt“, betonte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN. Die GEW befürwortet eine weitere Angleichung der Bildungswege: „An den Gymnasien sollten die grundständigen Züge und das Probejahr abgeschafft und eine flexible Oberstufe eingeführt werden. Langfristig halten wir das gemeinsame Lernen von Jahrgangsstufe 1 bis 10 mit anschließender drei- bis fünfjähriger Oberstufe für den richtigen Weg. Für das längere gemeinsame Lernen sind die Berliner Gemeinschaftsschulen ein gutes Vorbild und für die Gestaltung einer vielfältigen Oberstufe sind die Oberstufenzentren beispielhaft“, sagte Erdmann.

Der Handlungsdruck ist nach Ansicht der GEW BERLIN auch nach zehn Jahren weiter hoch. Die zu große Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der Herkunft bleibt trotz der Reform und einiger Fortschritte bestehen. Kinder, die bereits zu Hause viele Bildungsanregungen erhalten, besuchen tendenziell Gymnasien oder Sekundarschulen mit Oberstufe, die hohe Abiturquoten und Abschlussnoten aufweisen. Die Zusammensetzung der Schüler*innen an den Schulen variiert sehr. „Überspitzt lässt sich sagen: An den einen Schulen ballen sich die sozialen Probleme, an anderen die Einser-Abiturient*innen. Das können wir so nicht hinnehmen!“, machte Erdmann deutlich.

Die Pädagog*innen leisten sehr viel, um Schüler*innen mit ungünstigen Voraussetzungen zu unterstützen und eine positive Lernatmosphäre zu schaffen. Die Frage ist aber, ob es nicht eine andere Steuerung bräuchte. Hier muss die Qualitätskommission dringend konkrete Vorschläge liefern“ forderte der GEW-Vorsitzende.

Hintergrund:

Seit dem Schuljahr 2010/2011 gibt es in Berlin bei den weiterführenden Schulen nur noch das Gymnasium und die Integrierte Sekundarschule (ISS). Die ISS entstanden durch das Zusammenführen von Hauptschule, Realschule und Gesamtschule. Dort können die Schüler*innen die Berufsbildungsreife, den Mittleren Abschluss sowie in 13 Jahren das Abitur erreichen. An den Gymnasien wird das Abitur in der Regel nach 12 Jahren absolviert. Neben diesen beiden Schularten existieren die schulstufenübergreifenden Gemeinschaftsschulen, die zu allen Abschlüssen führen.

Die Zusammenhänge von sozialer Ungleichheit und Bildungserfolg wurden im Jahr 2017 von der Berlin-Studie, der wissenschaftlichen Begleitung der Schulstrukturreform, und zuletzt auch von der PISA-Studie erneut aufgezeigt. Die Unterschiede spielen bereits bei der frühkindlichen Bildung und beim Übergang in die Grundschule, aber insbesondere auch beim Übergang in die weiterführende Schule, eine große Rolle.

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