GEW - Berlin
Du bist hier:

Nr. 41 / 2016Prekäre Arbeit im öffentlichen Auftrag muss beendet werden

05.10.2016

anlässlich des Weltlehrertages haben heute rund 100 Honorarlehrkräfte vor dem Brandenburger Tor demonstriert. Mit kreativen Aktionen wiesen die Lehrkräfte an Musikschulen, Volkshochschulen, in Sprach- und Integrationskursen und an Hochschulen auf ihre prekären Arbeitsverhältnisse hin.

„Wir wollen nicht länger wie Lehrkräfte zweiter Klasse behandelt werden“, sagte Linda Guzzetti, Sprachlehrbeauftragte und Sprecherin des Bündnisses der Honorarlehrkräfte. „Wir fordern eine Entlohnung analog zu der Bezahlung fest angestellter Lehrkräfte.“ Beate Strenge, VHS-Dozent*innensprecherin betonte: „Wir brauchen eine bessere Absicherung bei Krankheit und gegen Altersarmut.“

In einer Erklärung wiesen die Dozent*innen darauf hin, dass sie im besten Fall halb so viel verdienen wie fest angestellte Lehrkräfte mit vergleichbarer Tätigkeit. Nach 30 Jahren Arbeit erwartet eine Honorarlehrkraft eine Rente von rund 500 Euro im Monat. Honorarbeschäftigte bekommen keine Arbeitgeberzuschüsse zur Krankenversicherung und zur Rentenversicherung. Auch gegen Lohnausfälle durch Krankheit sind sie nicht abgesichert.

„Es muss endlich Schluss sein mit prekärer Arbeit im öffentlichen Auftrag“, forderte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN. „Es ist skandalös, dass sich tausende Lehrkräfte in Berlin mit schlecht entlohnten Honorarverträgen über Wasser halten müssen. Dabei arbeiten sie oft über viele Jahre zum Teil in Vollzeit für den gleichen Arbeitgeber.“

Susanne Stumpenhusen, Vorsitzende von ver.di Berlin-Brandenburg, sagte: „Honorarlehrkräfte sollten im Regelfall fest angestellt werden. Zumindest muss das Honorar äquivalent zur Entlohnung fest angestellter Dozent*innen sein.“ Dazu muss der Senat die notwendigen Mittel bereit stellen und entsprechend auf die Hochschulen und die Bezirke, die Träger der Musikschulen und Volkshochschulen sind, einwirken. Auch das Bundesministerium des Inneren als Auftraggeber der Integrationskurse für Geflüchtete sehen die Gewerkschaften weiter in der Pflicht.

Hintergrund:
Der Weltlehrertag wird jedes Jahr am 5. Oktober begangen und erinnert an die „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“, die 1964 von der UNESCO beschlossen wurde. Die Charta sieht vor, dass alle Lehrkräfte die gleiche oder eine gleichwertige soziale Absicherung genießen sollen, unabhängig von der Art der Schulen oder Kurse, in denen sie unterrichten.

Zur Aktion am heutigen Weltlehrertag haben die AG Lehrbeauftragte der GEW BERLIN, die Berlin Language Workers GAS und die Berliner VHS-Dozent*innen-Vertretung, die Bundeskonferenz der Sprachlehrbeauftragten (BKSL), das DaZ-Netzwerk, die Dozent*innen der Freien Träger und Freie am Goethe-Institut, die Landeslehrervertretung der Berliner Musikschulen sowie die ver.di-Fachgruppe Musik aufgerufen.

Für Nachfragen stehen Ihnen zur Verfügung:
• Linda Guzzetti, Sprachlehrbeauftragte und Sprecherin des Bündnisses der Honorarlehrkräfte, Tel. 0177 6368208, linda.guzzetti@alumni.tu-berlin.de

• Beate Strenge, VHS-Dozentin, Tel. 0151 65194080, b.strenge@t-online.de

• Franziska Kreutzer, Musiklehrerin, Tel. 0179 2361722, franziska.kreutzer@web.de

• Corinna Becker, Dozentin in einem Integrationskurs, Tel. 0151 75125493, freiedozentinnen@gmail.com

• Paul Wash, freischaffender Sprachdozent, pwalsh1974@gmail.com

• Peter Düweke, Dozent an einer privaten Sprachschule, Tel. 0151 58164853, Peter.Dueweke@gmx.de

Zurück