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Nr. 18 / 2019Wir brauchen eine Qualitätsoffensive für den Ganztag

13.05.2019

Die GEW BERLIN fordert eine breit angelegte Qualitätsoffensive für die Berliner Ganztagsschulen. Gegenwärtig steht der an vielen Schulen vorherrschende Platz- und Personalmangel der erfolgreichen Umsetzung der Ganztagsschule im Wege. Die Aufmerksamkeit der Senatsverwaltung gilt allein der Aufrechterhaltung des Ganztagsangebots, Fragen der Qualität sind längst kein Thema mehr.

Beim Bau und bei der Sanierung von Schulen müssten die baulichen Voraussetzungen für eine gelingende Ganztagsschule geschaffen werden, so die Forderung der GEW. „Ganztagsschulen brauchen Räume für den ganzen Tag. Wir brauchen Räume zum Arbeiten, für Einzel- und Gruppenarbeit, Räume für Bewegung, für Rückzug, für Kreativität, Mensen und Räume für die Beschäftigten; für Besprechungen und die Vorbereitung“, erklärte Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW, beim Besuch einer der ältesten Ganztagsschulen Berlins, der Möwensee-Schule im Wedding.

„Schulbau ist bundesweit eine riesige Herausforderung, mit der die Länder nicht allein gelassen werden dürfen“, so Tepe weiter. „Es ist dringend notwendig, dass der Bund auch über die digitale Infrastruktur hinaus bei der Finanzierung des Schulbaus helfen kann. Die 3,5 Milliarden Euro, die die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode für Neubauten und Sanierung bereitstellt, sind mit Blick auf den bundesweiten Investitionsstau an Schulen in Höhe von 48 Milliarden Euro nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Damit Bundesmittel künftig problemlos fließen können, setzen wir uns für die komplette Abschaffung des Kooperationsverbotes in der Bildung ein.“

„Wir brauchen eine Qualitätsoffensive für die Berliner Ganztagsschulen, um die Schulen attraktiv für Schüler*innen und Beschäftigte zu machen und die progressiven Vorgaben des Bildungsprogramms umsetzen zu können. Dazu gehören die Räume“, betonte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann. Die GEW BERLIN fordert mindestens drei Quadratmeter pädagogische Nutzfläche für jedes Grundschulkind im Ganztag und lehnt eine Doppelnutzung von Räumen ab. „Besonders an der Ganztagsschule braucht jede*r Pädagog*in einen Arbeitsplatz“, ergänzte Erdmann gegenüber den Medienvertreter*innen.

Große Sorge bereitet der GEW BERLIN die sehr kurzfristig und ohne Absprache eingeführte Beitragsfreiheit beim Mittagessen in den Grundschulen. „Vielen Schulen fehlt schon jetzt der Platz in den Mensen und Schulküchen, dies wird mit dem steigenden Bedarf noch schlimmer werden. Wir befürchten, dass das beitragsfreie Mittagessen im Chaos enden wird“, so Erdmann.

Erdmann unterstrich zudem die Bedeutung der Lärmbelastung für die Unterrichtsqualität: „Wichtig ist die Überprüfung aller Schulen in punkto Akustik und die akustische Sanierung. Denn Lärm ist für Schüler*innen und Pädagog*innen eine der größten Belastungen. Der Gesundheitsschutz muss wieder verstärkt in den Fokus rücken“, so der Landesvorsitzende. Dringend nötig sei auch eine bessere Personalausstattung. „Damit die für den Ganztag unerlässlichen multiprofessionellen Teams erfolgreich arbeiten können, brauchen die Pädagog*innen verlässliche Zeiten innerhalb der Arbeitszeit oder Unterrichtsverpflichtung für Besprechungen und Planungen“, forderte Erdmann.