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Nr. 3/2020Die Besten für die Kleinsten – Scheeres sieht das anders!

04.03.2020

Die GEW BERLIN kritisiert die „2+2 Ausbildung“ von Bildungssenatorin Sandra Scheeres als Schritt zur Abwertung des Erzieher*innenberufs. „Die Professionalisierung des Berufsfelds war lange ein gemeinsames politisches Ziel mit der Senatsbildungsverwaltung. Der Schulversuch der Bildungsverwaltung stellt die Weichen nun in eine andere Richtung“, stellte die Vorsitzende der GEW BERLIN, Doreen Siebernik, fest. „Frau Scheeres versteht es nicht, dem Beruf mehr Anerkennung zu verleihen, um junge Menschen dafür zu begeistern, Erzieher*in zu werden“, so Siebernik.  

Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung sind gegenwärtig die Voraussetzungen, um Erzieherin oder Erzieher zu werden. Darauf folgen drei Jahre Studium, Abschlussprüfung und die staatliche Anerkennung zur Erzieher*in. „Mit dieser guten Ausbildung sind die Grundvoraussetzungen geschaffen, damit nur bestens ausgebildete Fachkräfte unsere Jüngsten in ihrer Entwicklung begleiten, sie fördern und zu selbstständigen jungen Menschen erziehen“, betonte Siebernik.

Senatorin Scheeres hat sich aufgrund des Fachkräftemangels nun dafür entschieden, von diesen Vorgaben abzuweichen. Mit dem „2+2-Modell“ benötigt ein*e angehende*r Erzieher*in lediglich die Berufsbildungsreife (Hauptschulabschluss) und kann nach vierjähriger Ausbildung ebenfalls die staatliche Anerkennung zum*r Erzieher*in erreichen. „Anstatt durch eine Verbesserung der Bezahlung und der Arbeitsbedingungen die Anreize zu erhöhen, senkt Scheeres die Anforderungen an den Beruf und lässt eine nachhaltige Dequalifizierung zu“, bemängelte Siebernik.

Nach Einschätzung der GEW BERLIN ist dieser Schritt kontraproduktiv: „Es wird schwer werden, Abiturient*innen zu überzeugen, Erzieher*in zu werden“, prognostizierte Christiane Weißhoff, Leiterin des Vorstandsbereichs Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW BERLIN. Und auch die Lehrkräfte an den Fachschulen für Sozialpädagogik schlagen Alarm. „Eigentlich sind sie angetreten, um jungen Erwachsenen pädagogisches Fachwissen zu vermitteln. Jetzt verschieben und verkürzen sich die Ausbildungsinhalte und die Lehrkräfte müssen teilweise noch Lesen, Schreiben und Rechnen vermitteln“, so Weißhoff.

Es ist richtig und wichtig, ein durchlässiges Ausbildungssystem zu haben“, unterstrich die Kita-Expertin. „Dennoch brauchen wir verbindliche Qualitätsstandards in der Ausbildung. Das müssen uns die Ausbildung von Pädagog*innen und die Kinder wert sein – auch in Zeiten des Fachkräftemangels!

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