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Nr. 39/2020Die Corona-Schulampel ist kaputt

16.11.2020

Die am Freitagabend verkündeten Maßnahmen wie Maskenpflicht ab Klasse 7 und ein versetzter Schulbeginn gehen nach Einschätzung der GEW BERLIN an der Realität in den Schulen vorbei. Dies bestätigen zahlreiche Rückmeldungen von Beschäftigten der Berliner Schule.

Dr. Gunilla Neukirchen, Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Schulleitungen in der GEW BERLIN und Leiterin des Beethoven-Gymnasiums: „Unsere Planer*innen haben zum Schuljahresstart über mehrere Wochen die Stundenpläne für das neue Schuljahr erstellt und sind auch auf eine Alternativplanung der halben Klassen vorbereitet. Wenn Schulleitungen jetzt aber erneut aus der Presse erfahren, dass sie ab Mittwoch eine weitere neue Planung für einen versetzten Unterrichtsbeginn erarbeiten sollen, stellt das viele Schulen vor eine zeitlich und organisatorisch nicht zu bewältigende Aufgabe, die zudem nur mit Unterrichtsausfall gelöst werden kann. Der Regelunterricht ist so nicht aufrecht zu erhalten. Diese Maßnahmen wurden kurzfristig und ohne Rücksprache mit Schulpraktiker*innen geplant. Für die meisten Grundschulen sind die neuen Maßnahmen gar nicht umsetzbar.”

Robert Giese, Sprecher des Netzwerks Gemeinschaftsschulen und Leiter der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule: „Es ist völlig widersinnig, dass ab Klasse 7 in der gesamten Schule – auch auf dem Hof – die Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden muss. Aus medizinischer, rechtlicher und pädagogischer Sicht brauchen sowohl die Schüler*innen als auch Pädagog*innen alle drei Stunden eine halbe Stunde Atempause. So schlägt es auch die Unfallversicherung vor. An Ganztagsschulen bedeutet das, dass alle die Masken für acht Stunden ununterbrochen tragen sollen. Die Bildungsverwaltung sollte sich endlich ehrlich machen und von einer echten Maskenpflicht sprechen statt euphemistisch von Mund-Nasen-Bedeckung. Dann hätten alle Beteiligten wenigstens ein Anrecht auf diese Pausen.”

Am Dienstag tagte eine AG des Hygienebeirats. Mittwoch stand Senatorin Scheeres viereinhalb Stunden im Hauptausschuss den Abgeordneten Rede und Antwort. Donnerstag erfolgte die wöchentliche Einstufung der Berliner Schulen durch Gesundheitsämter und Schulaufsicht. „Dass nun am Freitag nach Dienstschluss den Schulen neue, einschneidende Maßnahmen verordnet werden, zeigt, dass die Bildungsverwaltung den Bezug zu den Schulen und ihren Beschäftigten verloren hat“, kritisierte Tom Erdmann, Landesvorsitzender der GEW BERLIN. „Die viel beschworene Zusammenarbeit im Hygienebeirat wird ausgehöhlt. Die Corona-Schulampel ist offenbar kaputt, wenn nun in allen Schulen viele Maßnahmen aus der orangenen und roten Stufe umgesetzt werden sollen“.  In Richtung der Schulsenatorin forderte Erdmann: „Frau Scheeres, gestehen Sie sich ein, dass der viel beschworene Regelbetrieb an Schulen nicht praxistauglich ist. Wir fordern Sie erneut auf: Setzen Sie sich mit uns an einen Tisch und holen Sie die Personalräte mit dazu. Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wie Schule unter Pandemiebedingungen bestmöglich funktionieren kann. Die Kolleg*innen können die massiv gestiegenen Arbeitsbelastungen so nicht durch den Winter tragen.“