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Nr. 35/2020Die Lage in den Schulen spitzt sich zu

06.11.2020

Nachdem gestern erneut die Einstufungen der Berliner Schulen nach dem Corona-Stufenplan vorgenommen wurden, fordert die GEW BERLIN, für den Schutz von Beschäftigten und Schüler*innen das Alternativszenario im Corona-Stufenplan jetzt umzusetzen. „Die Senatsverwaltung gibt immer wieder vor, dass die getroffenen Infektionsschutzmaßnahmen an den Schulen ausreichen. Aus den Schulen erreichen uns aber vermehrt Hilferufe. Die Pädagog*innen fühlen sich an ihrem Arbeitsort nicht ausreichend vor möglichen Ansteckungen mit SARS-Cov-2 geschützt. Es ergeben sich täglich zahlreiche ungeschützte Kontakte“, erklärte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN. „An keinem anderen Ort kommen aktuell so viele Menschen in geschlossenen Räumen ohne Abstand und in den meisten Fällen ohne Masken zusammen. Die Beschäftigten in den Schulen haben den Eindruck, dass Infektionen an den Schulen billigend in Kauf genommen werden.“

Die Infektionszahlen nehmen täglich zu. Der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheidt geht zudem von einer viermal größeren Dunkelziffer aus. Laut einer Studie in Bayern kann von einer sechsmal höheren Anzahl an infizierten Kindern als durch die Testung bekannt ausgegangen werden. Auch die wissenschaftliche Begleitung in ausgewählten Schulen deutet darauf hin, dass deutlich mehr infizierte Personen in Schulen sind als bisher bekannt. Viele sind aber symptomfrei und bleiben dadurch unerkannt. „Für uns als Bildungsgewerkschaft ist das Recht auf Bildung ein hohes Gut. Aber wir dürfen die Schulen nicht auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten und der Schüler*innen im Regelbetrieb halten. Das wird zunehmend zu einem unkalkulierbaren Risiko. Die Folge könnte nicht zuletzt auch sein, dass die Schulen wieder in den kompletten Lockdown müssen. Zum Schutz aller und für den Erhalt der Bildungsangebote fordern wir eine zeitweise Umsetzung des Alternativszenarios mit Halbierung der Lerngruppen und festen Zuordnungen der Pädagog*innen zu den Lerngruppen“, forderte Erdmann. Die GEW BERLIN hat Vorschläge gemacht, wie diese Maßnahmen auch zu Qualitätsverbesserungen führen können. An vielen Schulen kann jetzt schon der Regelbetrieb nicht aufrecht gehalten werden, da etliche Pädagog*innen und Lerngruppen in Quarantäne sind. 

Der GEW-Landesvorsitzende erläuterte: „In Anbetracht des diffusen Infektionsgeschehens fragen wir uns, auf welcher Grundlage die Entscheidungen für die Einordnung der Schulen entsprechend des Corona-Stufenplans gefällt werden. Aus den Schulen hören wir, dass mancherorts Testungen bei Verdachtsfällen oder Kontaktpersonen von Infizierten nicht mehr durchgeführt werden. Im Zusammenhang mit der Nachverfolgung und Benennung von Kontaktpersonen gibt es viele offene Fragen.“ Wie mit den bezirklichen Allgemeinverfügungen und Quarantäneregelungen in den Schulen konkret verfahren werden soll, ist weiterhin nicht ganz klar. Die fehlende Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen verstärken die Sorgen der Pädagog*innen.