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Nr. 37 / 2017Grundschullehrkräfte lassen sich nicht auf die lange Bank schieben

11.07.2017

Mehr als 2.000 Grundschullehrkräfte haben heute bei berlinweiten Personalversammlungen ihren Unmut über das Vorgehen des Senats bei der Änderung der Bildungslaufbahnverordnung kundgetan. Viele von ihnen nahmen im Anschluss an einer Kundgebung vor der Senatsbildungsverwaltung teil. Sie forderten Klarheit darüber, wie und wann die Senatsbildungsverwaltung die Höhergruppierung der Lehrkräfte beabsichtigt, die noch nicht nach dem neuen Lehrkräftebildungsgesetz vom 20. Februar 2014 ausgebildet wurden.

Die Vorsitzende der GEW BERLIN, Doreen Siebernik, forderte Senatorin Sandra Scheeres auf, sich an das zu halten, was GEW und Senatsbildungsverwaltung miteinander besprochen haben. „Das ist die zeitnahe und unkomplizierte Höhergruppierung aller Grundschullehrkräfte, die nach älteren rechtlichen Regelungen ausgebildet wurden. Die berufliche Erfahrung, die Lebensleistung muss anerkannt werden. Nichts anderes steht in der Koalitionsvereinbarung des Berliner Senats“, sagte Siebernik vor den versammelten Kolleg*innen.

Udo Mertens, Leiter des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW BERLIN, erklärte: „In den Gesprächen war immer von allen Grundschullehrkräften in der Besoldungsgruppe A12 / EG11 die Rede, die eine Lehrbefähigung haben. Aus dieser Gruppe jetzt die Lehrkräfte unterer Klassen auszuschließen, ist völlig inakzeptabel und widerspricht auch dem Geist der politischen Erklärung mit dem Finanzsenator Kollatz-Ahnen. Die Empörung der Kolleg*innen ist absolut nachvollziehbar.“

„Ich bin entsetzt, zornig, empört! Nicht in erster Linie des Geldes wegen“, sagte die LuK-Lehrerin Christina Aster. „Sondern weil ich nach 30 Dienstjahren bescheinigt bekomme, dass ich eigentlich gar keine ‚echte‘ Lehrerin bin. Ich ermögliche seit 30 Jahren Kindern einen freudigen, entspannten Schulstart, bilde Referendar*innen aus, stehe Quereinsteiger*innen zur Seite. Und mir will man jetzt erzählen, dass ich weniger wert bin? Ich bin sprachlos über diese Verfahrensweise und ich werde das nicht einfach so hinnehmen", betonte Aster.

Die Kundgebung vor der Senatsbildungsverwaltung fand im direkten Anschluss an berlinweite regionale Teilpersonalversammlungen der Lehrkräfte an Grundschulen statt. Alle Personalräte der Berliner Bezirke hatten die Kolleg*innen eingeladen, über den vorliegenden Entwurf der neuen Bildungslaufbahnverordnung (BLVO) zu informieren und Konsequenzen zu beraten. Der Entwurf beinhaltet entgegen vorheriger Aussagen der Senatsbildungsverwaltung keine Regelungen zum Aufstieg der Lehrkräfte, die noch nicht nach dem neuen Lehrkräftebildungsgesetz vom 20. Februar 2014 ausgebildet wurden. Die Lehrkräfte unterer Klassen und die Sonderschullehrkräfte mit Ostausbildung sollen zudem ganz von der Höhergruppierung in die E13 / A13 ausgeschlossen werden.