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Nr. 35 / 2013Licht und Schatten: Der Entwurf des neuen Lehrerbildungsgesetzes liegt vor.

11.06.2013

Die Senatsbildungsverwaltung hat jetzt den lange angekündigten Entwurf des neuen Berliner Lehrerbildungsgesetzes vorgelegt. Alle angehenden Lehrerinnen und Lehrer werden künftig nach dem dreijährigen Bachelorstudiengang ein vollwertiges Masterstudium von zwei Jahren und ein einheitlich langes Referendariat von 18 Monaten absolvieren.

Darüber hinaus wird in alle Masterstudiengänge ein Praxissemester integriert. Die inklusive Bildung wird Bestandteil des Studiums.

Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der GEW BERLIN: „Endlich werden die gravierenden Fehler, die bei der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge gemacht wurden, korrigiert. Der ‚Kleine Master‘ und das ‚Kleine Referendariat‘ für Lehrkräfte in den Grund- und Sekundarschulen werden der Vergangenheit angehören. Zusammen mit dem Praxissemester werden damit die Lehrerinnen und Lehrer besser auf die Anforderungen in den Schulen vorbereitet. Das betrifft den Umgang mit Heterogenität ebenso wie die inklusive Bildung. Wir unterstützen ausdrücklich, dass die Studierenden für alle Schularten Sonderpädagogik als zweites Fach wählen können.“

Die GEW BERLIN sieht allerdings noch erheblichen Änderungsbedarf im Gesetzentwurf.

Das neue gemeinsame Lehramt für die Sekundarschulen und Gymnasien muss konsequent umgesetzt werden. Die Einrichtung unterschiedlicher Masterstudiengänge für beide Schularten ist realitätsfremd, da die Schülerinnen- und Schülerschaft auch in den Gymnasien immer heterogener wird. Beide Schularten führen zum Abitur und benötigen gleichermaßen fachlich und pädagogisch hoch qualifizierte Lehrkräfte. Die GEW BERLIN befürchtet, dass sich mit der Trennung in der Ausbildung der gravierende Lehrkräftemangel in der Sekundarschule weiter verschärft, weil die Studierenden sich dann wie bisher überwiegend für die gymnasiale Ausbildung entscheiden werden.

Für falsch und rückschrittlich hält die GEW BERLIN die Einführung eines eigenständigen Lehramtes für die Grundschulen. Damit wird die Flexibilität der Lehrkräfte eingeschränkt und die fachliche Ausbildung für die Unterrichtsfächer in den Klassenstufen 5 und 6 beschnitten. Die GEW BERLIN fordert, dass die Lehrkräfte wie bisher die Lehrbefähigung in einem Hauptfach für die Grund- und Sekundarschule erwerben können, um die Durchlässigkeit zwischen beiden Schularten zu gewährleisten.

Beim Zugang zum Vorbereitungsdienst (Referendariat) will die Verwaltung die erst 2012 vor den Gerich-ten endgültig gescheitere Mangelfachquote in neuem Gewand wieder einführen. Die GEW BERLIN lehnt eine Vergabe von Referendariatsplätzen nach aktuellem Fachbedarf in den Berliner Schulen strikt ab, da damit der verfassungsrechtliche Anspruch auf diesen Teil der Ausbildung eingeschränkt wird. Damit würden erneut jahrelange juristische Auseinandersetzungen provoziert. Die GEW BERLIN fordert stattdessen, die Zahl der Referendariatsplätze deutlich zu erhöhen, um den steigenden Lehrkräftebedarf abzudecken.