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Nr. 39 / 2017Schuljahresstart: Qualität gerät aus dem Blick

31.08.2017

Die GEW BERLIN heißt alle neu eingestellten Lehrkräfte im Berliner Schulbetrieb herzlich willkommen. Mit Sorge beobachtet die Bildungsgewerkschaft jedoch, dass der Anteil der Quereinsteiger*innen unter den Neueinstellungen erneut gestiegen ist. 41 Prozent sind keine ausgebildeten Lehrkräfte. An Grundschulen hat nur etwa jede fünfte neue Lehrkraft das Grundschullehramt studiert. „Wir sind irritiert, dass Schulsenatorin Sandra Scheeres den eklatanten Mangel an ausgebildeten Lehrkräften in ihrer Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn nicht thematisiert. Frau Scheeres scheint die Auswirkungen, die der Fachkräftemangel auf die Qualität der Berliner Schulen hat, nicht ernst genug zu nehmen“, kritisierte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann.

Erdmann wies auf die extrem hohe Arbeitsbelastung der Quereinsteiger*innen hin, die neben dem Unterricht ihre berufsbegleitende Ausbildung zu absolvieren haben. „Die Kolleg*innen bringen wertvolle Erfahrungen aus verschiedensten Bereichen mit, ihnen fehlen aber wichtige pädagogische Kenntnisse. Auch für die Schulen ist es eine große Belastung, wenn viele nicht voll ausgebildete Lehrkräfte unterrichten. Die zwei Stunden für die Begleitung der Quereinsteiger*innen reichen bei Weitem nicht aus“, unterstrich der GEW-Vorsitzende.

Erdmann forderte die Senatsverwaltung auf, generell mehr für die Attraktivität des Lehrer*innenberufs zu unternehmen. „Die zügige Höhergruppierung aller Grundschullehrkräfte in die A13/E13 würde dringend benötigte Lehrkräfte nach Berlin locken. Hier könnte die Senatsverwaltung einen entscheidenden Schritt zur Sicherung des Lehrkräftebedarfs machen“, sagte Erdmann.

Nach Ansicht der GEW BERLIN muss die Qualität der Berliner Schule im Fokus stehen. „Die Senatorin übt sich in Mangelverwaltung. Dabei fehlen dringend nötige Maßnahmen zur Entlastung der Pädagog*innen, zur Weiterentwicklung des Ganztags, zur Integration der geflüchteten Schüler*innen und zur Umsetzung der Inklusion“, betonte der GEW-Vorsitzende. „Wenn es der Senatsverwaltung nicht gelingt, ausgebildete Lehrkräfte für die Berliner Schule zu gewinnen, sind diese Mammutaufgaben nicht zu bewältigen.“