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Nr. 48/2023

Rund 3.300 Lehrkräfte fordern zum 16. Mal Tarifvertrag für kleinere Klassen

Am zweiten der drei Streiktage sind heute rund 3.300 Lehrkräfte und Sozialpädagog*innen vom Alexanderplatz zum Roten Rathaus gezogen, um ihren Forderungen nach einem Tarifvertrag Gesundheitsschutz Nachdruck zu verleihen. Anne Albers, Leiterin des Vorstandsbereichs Angestellten-, Beamten- und Tarifpolitik in der GEW BERLIN erklärte: „Die Bildungssenatorin und der Finanzsenator nennen unseren berechtigten Streik unverantwortlich. Dabei sind sie und ihre Vorgänger*innen diejenigen, die unverantwortlich handeln und handelten. Es sind gerade unsere Kolleg*innen, die Verantwortung für die Schulen übernehmen und mit Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen den Beruf attraktiver machen wollen. Es heißt immer, es gebe nicht genügend Lehrkräfte um unsere Forderungen zu erfüllen – dabei gibt es ein bewährtes Mittel und das heißt: vorausschauende Personalplanung! Genau dafür wollen wir mit einem Tarifvertrag Gesundheitsschutz sorgen“.

Auch in den neuen Hochschulverträgen bleibt die Zahl der von Senat und Hochschulen geplanten Lehramtsstudienplätze deutlich hinter dem prognostizierten Lehrkräftebedarf zurück. Zuletzt hatten zwischen 800 und 900 Personen in Berlin ein Lehramtsstudium abgeschlossen, während der Einstellungsbedarf seit Jahren bei rund 3.000 Personen liegt.

„Statt echte Verbesserungen zu schaffen, werden Umwandlungen nicht besetzter Lehrkräftestellen in andere Professionen als Entlastung verkauft. Und die Verbeamtung der Lehrkräfte ist nicht das versprochene Wundermittel gegen den Lehrkräftemangel, sondern wirkungslos“, ergänzte Sara Ziegler, ebenfalls Leiterin des Vorstandsbereichs Angestellten-, Beamten- und Tarifpolitik in der GEW BERLIN. „Der viel zu geringe Nachteilsausgleich vergrault immer mehr Kolleg*innen, wie die große Personalversammlung Ende September gezeigt hat. Zudem gibt es keine Konzepte, wie der sehr ungleichen Belastung der Schulen auf Grund des Lehrkräftemangels begegnet werden kann. Wenn Frau Günther-Wünsch und Herr Evers an uns appellieren, die Streiks zu überdenken, dürfen sie nicht mit leeren Händen kommen.“

Bundesweit solidarisierte sich die GEW mit der Berliner Tarifforderung. Die Bundestarifkommission bestätigte mit ihrer Solidaritätserklärung die bundesweite Signalwirkung des Tarifvorhabens. „Es ist an der Zeit, die Weichen für Arbeitsentlastung und gesunde, attraktive Arbeitsbedingungen zu stellen. Ein auf Augenhöhe mit den Arbeitgebern verhandelter Tarifvertrag ist dafür das geeignete Mittel. Nur mit gesunden und motivierten Pädagog*innen wird es gelingen, die massiven Herausforderungen in den Schulen zu bewältigen. Nur mit attraktiven Arbeitsbedingungen wird es gelingen, neue Fachkräfte für die pädagogische Arbeit in Schulen zu gewinnen und diese zu halten. Der Arbeitgeberverband TdL muss seine Blockadehaltung aufgeben, um Tarifverhandlungen im Land Berlin zu ermöglichen. Die Bundestarifkommission wünscht den Berliner Kolleg*innen viel Erfolg bei ihrem Arbeitskampf.“

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher
Privat:  030 / 219993-46