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Nr. 36/2023

Senat muss Bildungskrise endlich zur Priorität machen

Zum Start des Schuljahres 2023/24 bestätigt sich, dass die Krise im Berliner Schulwesen immer drastischere Ausmaße annimmt. Zum Schuljahresbeginn fehlen rund 2.500 Lehrkräfte, deren Stellen nicht besetzt werden können. Unter den Neueinstellungen haben zwei Drittel weder einen Lehramtsabschluss noch ein Fach der Berliner Schule studiert. Die Anzahl der voll ausgebildeten Lehrkräfte bleibt auch in diesem Jahr mit rund 1.000 Personen weit unter dem Einstellungsbedarf von rund 3.000 Personen. Der Lehrkräftemangel ist also hausgemacht.

Um mit dieser Bildungskrise fertig zu werden, muss der gesamte Senat Bildung zur Priorität machen. Denn nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung und deutlich mehr Investitionen wird es gelingen, unserem gesellschaftlichen Anspruch an das, was unsere Schulen leisten sollten, gerecht zu werden“, erklärte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN. Er betonte, dass insbesondere in den Grundschulen alles dafür getan werden müsse, dass voll ausgebildete Lehrkräfte die Klassenleitung innehaben. „Senatorin Günther-Wünsch muss auch unbedingt sicherstellen, dass nicht einzelne Schulstandorte ins Hintertreffen geraten, denn der Lehrkräftemangel tritt besonders dort zu tage, wo die sozialen und pädagogischen Herausforderungen am größten sind“, so Erdmann. „Eine Steuerung zur Abfederung von Ungleichheiten ist dringend erforderlich.

Erdmann ergänzte mit Blick auf die ebenfalls mangelhafte Raumsituation: „Neben dem Schulneubau sollte die Sanierung von Schulen mit mindestens gleichem Tempo vorangebracht werden, weil sonst Gefahr besteht, dass bestehende Schulen nicht mehr zu nutzen sind.“ Dafür sollten alle 173 prioritären Maßnahmen der Bezirke finanziert werden und das nötige Personal für die Abwicklung in den Bezirken eingestellt werden.

Martina Regulin, Vorsitzende der GEW BERLIN, warnte den Senat davor, den Personalmangel mit weiteren Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen der Bestandslehrkräfte und anderer Beschäftigter zu kompensieren. „Wir müssen aufpassen, dass wir die wenigen Pädagog*innen, die wir haben, nicht auch noch verlieren“, so Regulin. Sie erneuerte die GEW-Forderung nach einer Ausbildungsoffensive. „Das Land muss viel mehr Studienplätze für Menschen schaffen, die gerne Lehrerin oder Lehrer werden möchten. Und es muss die Studierenden besser unterstützen, die sich im Lehramtsstudium befinden.“

Die in den Hochschulvertragsverhandlungen offenbar erreichte Erhöhung der Haushaltsmittel für die Lehrkräftebildung bewertete Regulin als Schritt in die richtige Richtung. „Ob die zusätzlichen Mittel für die Lehrkräftebildung allerdings ausreichen, um mehr Studierende zum Abschluss zu bringen und die Studienbedingungen und Betreuungsverhältnisse nachhaltig zu verbessern, ist fraglich. Die Erhöhung der Zuschüsse um fünf Prozent bleibt schließlich weit hinter der Inflationsrate zurück. Damit sind die aktuellen Personalengpässe der Hochschulen nicht zu beheben. Zu kritisieren ist auch, dass es keine zeitliche Festlegung gibt, bis wann die Zielzahl der 2.500 Absolvent*innen erreicht sein soll und keine Sanktionsmechanismen, wenn die Universitäten sie nicht erreichen“.

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher