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Nr. 31/2023

Ausbildung von Lehrkräften auf allen Ebenen stärken!

Heute befasst sich der Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses seit langem wieder mit dem drastischen Lehrkräftemangel und möglichen Maßnahmen zu dessen Bekämpfung. Die GEW BERLIN fordert eine Ausbildungsoffensive für mehr und gut ausgebildete Lehrkräfte.

Die Ende Mai vorgelegte neue Lehrkräftebedarfsprognose für Berlin wartet erneut mit alarmierenden Zahlen auf. Nach der neuen Prognose steigt der Einstellungsbedarf bis 2030 noch einmal um gut 9.000 auf 37.608 volle Stellen. Das bedeutet, dass Berlin bis 2030 im Schnitt jedes Jahr über 5.000 Vollzeit-Lehrkräfte benötigt. Die von der Bildungssenatorin für dieses Jahr verkündete Lücke von 1.460 Stellen wächst auf bis zu 2.500 pro Jahr. „Angesichts dieser Zahlen müssen der Senat und das Abgeordnetenhaus die Lehrkräftebildung endlich zur Priorität machen und in einer abgestimmten Ausbildungsoffensive auf allen Ebenen finanziell und dauerhaft stärken“, appellierte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann, in der Anhörung des Bildungsausschusses.

Erdmann forderte im Ausschuss Verbesserungen der Ausbildungsbedingungen. Als absolut vordringlich bezeichnete er die dauerhafte finanzielle Absicherung des bereits beschlossenen Ausbaus der Lehramtsstudienplätze und einer weiteren Erhöhung der Kapazitäten für bis zu 3.000 Absolvent*innen pro Jahr. Darüber hinaus müssten die Q-Masterstudiengänge ausgebaut und verstetigt werden. „Das muss über einen Sondertatbestand in den Hochschulverträgen zusätzlich zum geplanten 5-prozentigen Aufwuchs abgesichert werden. Es muss Schluss sein mit befristeten Sonderprogrammen!“, unterstrich Erdmann.

„Das Praxissemester wird zunehmend zum Nadelöhr. Die Anmeldezahlen sind in diesem Jahr deutlich zurückgegangen, weil die Studierenden nicht wissen, wie sie sich in dieser Zeit finanzieren sollen. Wir brauchen finanzielle Zuschläge von mindestens 500 Euro pro Monat im Master und im Referendariat, auch um mehr Referendar*innen aus anderen Bundesländern zu gewinnen“, forderte Erdmann.

Die meisten neu eingestellten Lehrkräfte haben inzwischen keine volle Lehrbefähigung. Für diese Gruppe forderte Erdmann ein strukturiertes Qualifizierungsprogramm. Bei Lehrkräften mit internationalen Lehramtsabschlüssen müssten die nach wie vor zu hohen Hürden beim Anerkennungsverfahren abgebaut werden.

Die größte Hürde ist die Finanzierung von noch notwendigen Studien in einem weiteren Fach an einer Universität und der Zugang zu einem Studium. „Internationale Lehrkräfte werden beim Anerkennungsverfahren und bei ihrem Aufbaustudium völlig allein gelassen. Viele gehen in diesem Prozess verloren. Wir brauchen ein Mentoring unter Einbeziehung der Universitäten, das die Lehrkräfte vom Zeitpunkt der Antragstellung auf Anerkennung bis zur vollen Gleichstellung betreut und unterstützt. Nicht zuletzt sollten die hohen Gebühren von zurzeit 222 Euro für das Anerkennungsverfahren komplett abgeschafft werden“, fordert der GEW-Landesvorsitzende.

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher