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Nr. 14/2023

GEW BERLIN fordert Akutmaßnahmen zur Entlastung in den Schulen

Um die belastenden Auswirkungen des Personalmangels auf die Lehrkräfte, Erzieher*innen, weiteren Fachkräfte und Schulleitungen abzufedern, gibt es aus Sicht der GEW BERLIN ganz konkrete Maßnahmen, die auf schulorganisatorischer Ebene zeitnah umgesetzt werden könnten, ohne einen hohen Mehrbedarf im Bereich der Lehrkräfte oder Erzieher*innen auszulösen. „In Anbetracht der dünnen Personaldecke ist vor allem wichtig, dass Lehrkräfte, Erzieher*innen und Schulleitungen gesund und im Job gehalten werden. Pädagog*innen müssen von nicht-pädagogischen Aufgaben entlastet und durch andere Berufsgruppen unterstützt werden. Es ist nicht hinnehmbar, dass Pädagog*innen sich mit Aufräumen, Kopieren, Buchhaltung etc. befassen, wo sie doch für die Schüler*innen da sein sollen“, erklärt Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN.

„Die Schulen müssen endlich zu modernen Arbeitsorten werden, an denen auch alle Professionen, die vor Ort gebraucht werden, verlässlich zusammenarbeiten können. Es braucht einen deutlichen Stellenaufwuchs im nicht-pädagogischen Bereich, aber auch pädagogische Assistenzkräfte“, verdeutlicht Erdmann. Die GEW BERLIN fordert mehr Stellen für Sekretär*innen, Verwaltungsleitungen und IT-Administrator*innen. Zudem müssen schnellstmöglich Stellen für pädagogische Assistenzen für die Begleitung im Unterricht, Aufsichten in den Pausen und beim Mittagessen sowie für Laborassistent*innen, technische Mitarbeiter*innen, Werkstattleiter*innen, Bibliothekar*innen geschaffen werden. Weiterhin braucht es Schulgesundheitsfachkräfte an allen Schulen, wie es sie beispielsweise im Bezirk Lichtenberg bereits an einzelnen Schulen gibt.

Der Aufgabenumfang von Lehrkräften und Erzieher*innen sollte gezielt verringert werden. „Durch weniger Klassenarbeiten in allen Schulstufen könnte der Korrekturaufwand für Lehrkräfte erheblich reduziert werden. Die Bildungsverwaltung sieht bereits Reduzierungen im Bereich von Abiturklausuren in Q4 und Klassenarbeiten in der beruflichen Bildung vor. Hier kann angesetzt werden. Lernerfolgskontrollen könnten in anderen Formaten und mit weniger Korrekturaufwand erfolgen“, erläutert Karin Petzold, Leiterin des Vorstandsbereiches Schule. Auch entlastende Regelungen zu den Zweitkorrekturen bei Abi-Prüfungen sollten getroffen werden. Im Bereich der ergänzenden Förderung und Betreuung (Ganztag) könnten die Schulen in Absprache mit den Eltern die Betreuungszeiten vor 7.30 und nach 16 Uhr reduzieren, wenn diese nicht genutzt werden. „Grundsätzlich sollten Schulen ermuntert werden, sämtliche schulische Aktivitäten auf Notwendigkeit zu prüfen und über Reduzierungen zu entscheiden“, so Petzold weiter.

Zudem sollten unbedingt Kriterien und eine zeitliche Begrenzung für Dienstbesprechungen festgelegt werden, damit diese nicht zu einer zusätzlichen Belastung werden. „Aus vielen Schulen hören wir, dass die Besprechungen immer häufiger angesetzt werden und lange dauern. Dabei könnten viele Informationen auf digitalem oder anderem Weg weitergegeben werden“, schildert Petzold. Von der Senatsbildungsverwaltung fordert die GEW BERLIN auch, dass Änderungen in der Schulorganisation immer mit zeitlichem Vorlauf bekannt gegeben werden und der mit der Umsetzung verbundene Arbeitsaufwand gesehen wird. Leitungen sollten ebenso entlastet und unterstützt werden. Es sollte beispielsweise Jobsharing in Schulleitungs- und Funktionsstellen ermöglicht werden. Im Ganztag sollte es einen deutlichen Aufwuchs von freigestellten Erzieher*innen mit Leitungsfunktion geben.

Nach wie vor ist die Situation für teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte schwierig, da es neben dem Unterricht viele sogenannte unteilbare Aufgaben in der Schule gibt. „Es muss endlich eine berlinweite Regelung zum teilzeitkonformen Arbeiten und ein Entlastungskontingent her, damit die Kolleg*innen nicht alles vor Ort erkämpfen müssen“, fordert Petzold. Denkbar wäre zudem eine Aufstockung für kurze Zeiträume z.B. für Präsenztage, Projektwochen, Wandertage, Prüfungszeiträume, Festtage; so wie es für Klassenfahrten bereits geregelt ist.

Die Berliner Bildungsverwaltung hat Mitte Februar die Ergebnisse des runden Tischs zum Lehrkräftemangel präsentiert. Dabei wurde immerhin das Thema Entlastung der Schulen in den Fokus gerückt, die vorgeschlagenen Maßnahmen blieben aber an vielen Stellen unkonkret. Zudem wurde die Schule nicht als Ganzes bzw. als Ort der multiprofessionellen Zusammenarbeit betrachtet.

Hier geht es zum GEW-Forderungspapier: https://www.gew-berlin.de/aktuelles/detailseite/fuenf-mittel-gegen-akute-beschwerden

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher